BAAL LEBT
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  Der Zorn der Morgenröte in meinem Gesicht treibt mich
  grundlos hinab.

wie sollten die drei groschen je die stolzen schwarzen
segel von baals kanonenboot bezahlen, wenn nicht all
die wechsler, heuchler, degoutanten schwaetzer und redner
den kurs von baals renommee taeglich neu festigen wuerden?

MIETE? SOLLZINSEN? KREDITE? ZAHLUNGSFAEHIGKEIT?

der totgesaegte baal lacht lust- und lautlos ueber diese
schoene neue welt.

wir freuen uns, ihnen mitteilen zu duerfen, dass der
offenbarungseid ihrer unschuld am 20.oktober vor dem
amtsgericht ihrer heimatgemeinde um 10.00 UHR ver
handelt wird.

fuer anschliessendes leichenschmausen wird um
angemessene garderobe gebeten.

karten sind am eingang erhaeltlich.

ER treibt im Unwesen seiner Scherze ab.
der wind weht ueber das narrenschiff hinweg
und traege flappen die segel.
die belegnaegel harren ohne arbeit.

  GLAUBE
  Baal verlangt von dir nicht viel
  Deine ängste sind sein ziel
  Dich der hoffnung zu berauben
  Daran mußt du gar nicht glauben
  Denn schon in der ersten nacht
  Hat er sich zu dir gemacht
  Du mußt dich einfach nur fragen
  Woher kommt zaudern und zagen

  Weshalb suchst du an solchen orten
  Noch immer nach verlor'nen worten

  Kein Platz für Menschen. Weniger noch für Götter.
  "Baal lebt? Hat er seine Miete gezahlt? Seine Kredite pünktlich
  zurückgeführt?" fragen die Geldwechsler.
  "Wo ist seine Steuererklärung?" fragen die neuen Götter.

baals schwangres koenigreich
in deinem herz den schatten gleich

  Ihr versteht ja all so wenig
  Von BAAL und jedem andern König

dem goetzen, der kanonenfutter
aus euch macht, euch in die umlaufbahnen
eurer eitelkeiten schiesst, euch
fressen ficken fernsehn als parole
eurer nichtigen lebensillusion vorbetet,


  Nein, ihr träumt pur;
  der POP funktioniert nicht.

  Reden wir - ich, DUIHRERWIRIHRSIE?

und baal knuepft all die schwaetzer
mit seinen spinnenfaeden aus wolfsmilch
in seinem netz an den quer in die buehne
ragenden ast und schnitzt aus lebern ringe


ABER VIELLEICHT BIN ICH MORGEN SCHON ANDERER MEINUNG!

aber halt:
ich bin ja noch,
also denkt baal doch
da waer ein loch
noch ungevoegelt!

es ist ein irrtum
nein ich wehre mich
ich bin nicht baal
goetter menschen lebertran
abfuehrmittel menschenwahn!

und du wirst ihnen nicht entrinnen!
sie werden das letzte blaue blut aus dir
herauspressen und deine durchscheinende huelle
in den wind ihrer wechselnden meinungen haengen.


  TRAUM
  Manchmal hab' ich einen traum
  Hänge dann an einem baum
  Verwundert daß der strick mich trägt
  Den ich um meinen hals gelegt
  Verstehe plötzlich - ich hab' nicht
  Auch annähernd nur das gewicht
  Welches ich mir und meinem leben
  Voll arroganz einst selbst gegeben
  Doch manchmal - wenn der wind loslegt
  Dank ich - weil mich noch was bewegt


  BAAL FORDERT MENSCHENOPFER

und er haelt sie nicht
heute erhalten wir die briefe
unseres untergangs eingeschrieben.
unsere unterschrift in blut
ist nicht mehr gefragt.


  BAAL IST ÜBERHOLT.

der Irre ohne arme hat genug?

  Genug - und laß dich nie belügen
  Bedeutet doch nur selbstbetrügen
  Genügsam ist des meineids bruder
  Und zuwendung ein falsches luder
  Das leben macht dich niemals satt
  Denn du erlebst es nur anstatt

in deiner perfekten illusion
deines glaubens an die menschheit hast
du deine goettergleiche unwahrscheinlichkeit
missachtet und zahlst nun den preis

  STIMMT, ABER VIELLEICHT IST BAAL
  MORGEN SCHON ANDERER MEINUNG

  Ansichten - und meistens schiefe
  Kommen aus der perspektive
  Deshalb schreib' ich auch nicht meine
  Denn perspektive hab' ich keine
  Doch das ändert allemal
  Sich am rückkehrtag von BAAL

in deinem blut waelzt sich ein hering
es ist dem narrenschiff egal
der wind treibt uebers weite feld
und heult in seiner qual

yesterday, all my troubles sime so far away
heute starren augen stumpf
und ohne glanz
im totentanz
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Claudia Klinger, Dirk Schroeder, Regula Erni, Ingo Mack, Guido Grigat, Regula Erni, Julian S. Bielicki, Richard Blume, Mario Heguerta, JUH, Arnold Schiller, Jörg Piringer, Volker Piringer, Tade Szewczyk, Eric E. deWitt, Anna de Gouvernator, Chris Ray (der POET), Ingo Mack und ein paar Zeilen aus Angelikas Goeddes "WWörterWald"