BAAL LEBT ________________________________________________

Baal lebt? Hohe Belili, trittst du nicht aus dem heimlichen Schatten deiner späteren Schwester? Hat nicht dein Zürnen ein Ende? Und wäre Baal tot, du bliebest vergangenen Zeiten treu auf immer, Windsängerin.
Doch Baal ist tot und irgendwie weiß heute ja sowieso keiner mehr so genau, ob es ihn wirklich gegeben hat, oder ob er nur ausgeklügelte Software war und Pumuckl, dem lustigen Kerlchen mit dem roten Bauch, ähnlich gesehen hat. Hauptsache: Sie reden darüber.

Sie reden darüber, WO sie darüber reden sollen; sie reden darüber, worüber sie reden sollen. Fragen nicht nach dem WIE. Das WARUM bleibt auf der Strecke. Sie reden darüber, daß es langweilig ist, DARÜBER zu reden. Sie reden über die technischen Schwierigkeiten, die das Reden erschweren. Reden sie miteinander? Reden sie aneinander vorbei, über einander hinüber?

DER VOLKSMUND sagt...
...wer den Baal hat, hat die Qual. So reden sie. Mehr über seine Schwester Karin, und den Mambokönig. Obwohl das schon so lange her ist, daß ihr
Bruder BAAL schon fast wieder ihre Popularität erreicht hat. Und das Pumuckl den Meister Eder um die Ecke gebracht hat, werden nur wirklich eingeweihte
bemerkt haben. Obwohl Ermittlungen gelaufen sein sollen. Redet man so. Und das Harry den Wagen nun nicht mehr für Stefan holen darf...
...der wurde nämlich in Pension geschickt, weil er BAAL wieder holen wollte und den Pumuckl überführen. Aber alte Legenden und alte Frauen,
Hexen, Götter und Kobolde...

Nein, sie träumen nur; der POP funktioniert nicht. Sie essen das Brot ihrer Rede. Sie wenden, an ihren Drähten hängend, die Zunge zur Erde und sagen: es ist genug. Sie legen die Beine hoch auf die Kanten von Stühlen und sagen: Laßt uns darüber reden. Die Stühle sind echt! Und die Reden – mehr recht als schlecht.

SIE BESCHWEREN SICH. BURKS meldet sich und sagt: ALLES MURKS. Im Grunde ist das Leben MUD. Ooops, war ein Versehen..., man sollte weniger schreiben und mehr denken, doch wer erst HERUNTERLADEN muß und Formate kennen, ist verloren. So eine Art Mini-FAQ müßte da schon stehen – (just for fun – Hilfeprogramm für's Nachdenken).

Reden wir - ich, DUIHRERWIRIHRSIE?
Wer macht den Mund auf?
Wer klappt ihn zu?
Wer reicht wem das Ohr, und wer drückt endlich beide Augen zu?
Sie? – wir klimpern mit den Fingern auf Tastaturen herum, furios die einen,
stakkato die andern. Dort – nicht da – hängend an künstlichen Drähten, wo früher der Windschatten lag.

Sie reden darüber, wie Einzelne es doch unterschiedlich verstehen, wenn
man darüber redet, und daß das doch selbstverständlich sei. Selbst-
Ver-ständlich? Selbst verstehen?
Selbst stehen? Selbst gehen? -
Is ja'n Ding! Im Ernst: ist das nicht klar?
Rufen die einen: Nein, nein!, sagen die anderen, du hast nämlich recht!

Sie haben Besprechungen. Sie besprechen die Welt. Sie besprechen die Welt wie sie Warzen besprechen, Schwarten, das Wachsen der Gräser, den Sturm, das Knicken der Äste im Wind. Die Welt! Einem jeden die seine, perfekt konfiguriert – und mir die meine – o Macht über diese eine, meine kleine Welt! O, Macht, welche Ohnmacht!
Sie analysieren die Probleme. Sie problematisieren alles, was klar ist und luzid. Sie diskutieren Herangehensweisen; sie bemühen sich um die Verbreitung der Diskurse; sie – ICHDUERWIR – begehen den Diskurs von unten nach oben, von hier nach dort – von dort nach hier. Ein Hin ist zum Her mit dem ganzen Heer.
Und ICHDUERWIRIHRSIE zweifeln an diesem Begehren.....
(zu Recht, zu recht, kennen wir doch, unsere Pappenhei-, Pappenheim-, Pappenheimer, das sind: ihre Pappenschleimer...)

Sie werden zu JEMAND, jemand mit Thesen, mit Meinungen, mit Weit-, mit Weltsichten. Einige werden JEMAND, mit dem zu rechnen ist, der nicht mehr übergangen werden kann. Glückwunsch. Andere tragens, erst kürzlich las ich's wieder in einem kleinen Büchlein des Celan, "wie die Uhr ihre schlechteste Stunde". Aber: ICH BIN! Und das ist eine weitaus bessere Vorstellung als die, aus einem Klumpen Lehm gepuzzelt zu sein.

ABER VIELLEICHT BIN ICH MORGEN SCHON ANDERER MEINUNG!
Links, zwei, drei....
und rechtsum -
ein Schrei!
Eine neue Meinung.
Wo?, wo? woooooooooooo?

Hier! Gratis. Abnahmeverpflichtung. Lies. Wörter. Wörter. DU darfst nicht NEIN sagen – zu Netzliteratur.
Netz
li
ter(r)a
tur.
Netzlitera-
tun!
Da in dem N, dem einen Buchstaben, liegt der Hund begraben – and they sing NOR NEY NEVER NO MOOOOORE. Nero. Neue Texte, die bei anderen zu neuen Meinungen führen und weitere Texte hervorrufen. So wenig. Zu wenig! Selten, ganz rar. Aber GE-
SUCHT
Sie - wir - graben, grübeln nach
Futter für die Suchmaschinen.
Ab-
Fall.
Such-
Fall.
Fall endlich, fall –
den neuen Texten zu!
Die neuen Texte haben keinen Sinn, denn sie existieren nicht als Sätze
oder Ab-Sätze. Sie leben entlang den STICH-Worten. Aua! Es sticht, das Wort, das Stichwort – und führt
zu Mord!

Erlösung - Opfer? Erlesung - Leser als Opfer. BAALd werden wir uns sicher sein. BAAL lebt! Aber ausser Babe interessiert sich kein Schwein dafür.
Deshalb kannst Du auch schreiben was Du willst. Nur lesen,  was Du willst, das kannst Du schon lange nicht mehr. Denn keiner nimmt dir die Arbeit
ab, zu formulieren was Du als deinen Willen/dein Wollen akzeptieren könntest. Keiner wird dir im Namen BALLs dein Herz herausschneiden, weil Du
dein Hirn im Namen Axel Springers schon vor Jahren auf dem Altar der Gleichgültigkeit geopfert hast. Du hast den Trend überholt. Bist eine Hülle,
leer wie die Worthüllen, mit denen man dich täglich einhüllt. Keinen Stich gemacht - keinen Stich mehr wert...

TRAUM
Manchmal hab' ich einen traum
Hänge dann an einem baum
Verwundert dass der strick mich trägt
Den ich um meinen hals gelegt
Verstehe plötzlich - ich hab´ nicht
Auch annähernd nur das gewicht
Welches ich mir und meinem leben
Voll arroganz einst selbst gegeben
Doch manchmal - wenn der wind loslegt
Dank ich - weil mich noch was bewegt   

SINN und Wahrheit sind hinfällig, sagt einer, der darüber redet. Wir werfen sie in die Luft, die Wahrheit, wir - als spielten wir mit Münzen. Heut' gilt die Zahl; mit dem Kopf hoab i heit nix am Hut!
Wir – ICHDUERWIR – verwerfen den SINN, verwechseln den Ort. Sind selbst Verwerfung, fragen nix, wissen bloß schon mal und wollen nicht wissen, daß wir nichts wissen, denn sagen SIE, BAAL LEBT. Fragt nicht – ihr werdet zu deuten sein!
Also, mein oben zitierter Text hatte NIX mit BAAL zu tun.
Schade. Haben wir mit Baal nichts mehr zu tun?
Doch, doch: eine kleine silbern glänzende Träne schlängelte sich wie eine lebendig gewordene Laufmasche durch die Runzeln im Angesicht der Alten Hexe, schimmerte noch etwas im Abglanz der fetten Wachskerze und verschwand: WO IST BAAL?

BAAL ist tot; PUMUCKL überholt!

Wenn BAAL tot ist, warum fordert er dann MENSCHENOPFER?

Es ist der Diskurs! Wir haben (wenn auch nur diskursiv) mit Baal zu tun - und wie wir mit ihm zu tun haben! Eine lange Weile schon reden Menschen ÜBER. Und nichts GEHT mehr. Unser Reden und Meinen bricht in Milliarden Texten über uns herein, bis auch der letzte Leser genug vom linearen Denken hat.

BAAL FORDERT MENSCHENOPFER

Große Belili, wie schön ist das gesagt von den Alten, die Baal verstoßen wollten in ihrer rührigen Art, freu dich der deinen, aber: Mehr Menschenopfer fordert der Diskurs. In jedem Darüber-Reden stirbt ein lebendiges Wesen, das zum Ausdruck drängt und nicht zur Diskussion.
Denn nebeneinander stehen wir auf den Straßen, Gestalt, an Gestalt. Nie blicken wir auf, nie schauen wir uns an, nie treffen sich zwei Gesichter, nie ist ein Lächeln ausgespannt von Triefnase zu Triefnase. Hi Taschentuch, meine stiller Freund, mein weicher. Dies sollte halt eine Verbindung zwischen der lexikalischen Begrifflichkeit und der Frage nach der Verwendung des Begriffs im Zusammenhang mit Administrativa bilden. Menschen opfern sich auf, sind administrativ tätig. BAALETRISTIK:
Wo sind Orte für Worte?
Im WWW-ort!
Wer ordnet die WWWorte?
DU
an Deinem Ort
mit Deinem WWWorte-Ort....


BAAL IST ÜBERHOLT.

Wir haben ihn überholt, überrollt. Wir bringen uns selbst als Opfer dar. (HÖRST du, Göttin, wir glauben schon wieder.)

Armer Irrer, Du hast womöglich – wer weiß – genug?

STIMMT, ABER VIELLEICHT BIN ICH MORGEN ANDERER MEINUNG

Nichts bleibt, wie es ist. Am Anfang des Netzes steht das Ende der Bewahrer. Während sie sammeln und ordnen und administrieren ist alles längst ganz anders geworden und das, was dabei herauskommt, worüber dann zu reden wäre, hat keinen Platz mehr in der Welt, die dann auch schon ganz anders geworden sein wird und übermorgen wieder – bis dann der Tag überhaupt nicht mehr aufgeht, aber das wissen wir schon. Wir werden administriert. Es ist ja so viel angenehmer, von jemand anderem als sich selbst administriert und kontrolliert, so viel besser von einem anderen unterdrückt, kontrolliert, ausgebeutet, verfolgt und manipuliert zu werden als von sich selbst, daß man sich im allgemeinen kaum mehr Gedanken darüber macht, was man selbst täte, wenn man in dieser oder jener Lage wäre. Selbst wenn man je in diese oder jene Lage käme.
Die Beschleunigung wirkt auf menschliche Gemeinschaften wie die Bombe, sagt Virilio - und schafft sich umgehend einen ISDN-Anschluß an. Ob jemand nun weiß, welche Bedeutung Baal noch hat, ist hierfür gar nicht mal relevant, oder?
Wüßten wir es, wüßten wir, daß Gemeinschaft nicht aus Diskursen
wächst. Wüßten wir vom Leben jenseits der Diskurse, wären unsere
Gemeinschaften nicht so leicht zu sprengen. Wüßten wir vom Leben jenseits
der Gemeinschaften, kämen sie vielleicht gar nicht vor. Die Gemeinschaft wurde von der Gesellschaft abgelöst, die Gesellschaft von der Masse. Die eine Hälfte der Masse - Masse ist Masse - umkreist die andere Hälfte der Masse. Und dann ist der Käse fertig und wir sind mitten im XXI. Jahrhundert und individuell, dann plötzlich, vielleicht, viduell, visuell. Oder nur noch virtuell.
Vorsicht, warnt Virilio und hebt mahnend den Finger, denkt an die Beschleunigung, die Anziehungskraft - den Zusammenprall und die alte Hexe murmelt dazu: Mein Reich ist Furcht, mein Arm ist Rede, mein Lohn der Tod!

Wir prallen nicht zusammen. Doch darauf gebe ich (dir) kein(en) Ehren-WWW-Ort. Der Net-Lag steht zwischen uns. Bis dann, bis bald, im WWWorte-WWWald, dort schreiben WWWi(h)r um die WWWette, WWWiedersinnig mit und ohne Netiquette - . Unsere Daten kreisen um die Erde und bemühen sich, unsterblich zu werden. So unsterblich wie die halbleere Flasche mit Kunstharzverdünner auf der Sondermüll-Deponie.
Das ist nicht zynisch, sondern macht Spaß. – War ja auch meine Idee! – Oder? Das ist kein Platz für ein Massaker. Wir meiden uns schon weit im Voraus. Wir halten den Mitmenschen und seine unermüdlichen Lebenszeichen auf Mausklick-Distanz, klick und weg – Löschtaste, wie Olli sagt. Im Notfall massakrieren wir uns mit Worten – ohne und mit Sinn – hau ab, Pumuckl, scher Dich zum Teufel,

Was sollte er bei mir? Der ist mir zusehr ohne Arg - garnicht wie ich mein Volk hier mag
                                Ein Kobold, klein und liebenswert - keiner der hier zu mir gehört
                                Dabei ist er noch allemal - realer als der Schatten BAAL
                                Weil ihr nicht zu den Taten steht - die ihr seit Anbeginn begeht
                                Schafft ihr euch Opfer ohne Zahl - und nennt sie Götter, grad wie Baal
                                Dabei hat es seit Menschen leben - nur immer euch und mich gegeben


BAAL FORDERT MENSCHENOPFER

Der Autoverkehr fordert mehr Menschenopfer. Und er ist eine Täuschung: Während das Individuum sich nicht bewegt, - es bewegt sich doch, das Individuum, denkt nur an das Gaspedal -  wird es technisch gestützt von einem Ort zum anderen gefahren. Eine Sackgasse, wie so vieles. Der Administrator: Ein Opfer ohne Erfüllung. Genau das hat Virilio vor zehn Jahren gesagt. Spricht er nur oder geht er zu Fuß? Hat seine Bahncard eine Zahlungsfunktion? Fahren noch Züge? Aber, aber, Virilio macht Züge; Schlacht- und Schachzüge.

Baal amüsiert sich köstlich. Er thront über uns. Zeckenhaft, prall
und voll. Wir liefern ihm den Nährstoff....

Baal reicht mir frische Leber. Ich und Oskar (Oskar und ich sind ich) bestehen auf Apfelschnitz und Zwiebelringen. Doch WWWohin??? (Äh): WWWozu?

Das gehört sich so. An unseren Göttern sollt ihr uns erkennen. Ihr? Ja, sie, die Anderen! Sie reden nämlich bloß, während sie über uns thronen und sich ernähren. Zuletzt, wenn Hand und Fuß gegessen sind, wird die Zunge die letzte Speise. Und, Astern unter den Zähnen, zwischen den tönernen Scherben der Schädel blühen endlich die Ohren.
Vor dem Zelt zerrt Mithras an seiner Leine. Ich, in Trance, die Kugel glimmt, tanz'. Aber, womöglich – wer weiß? –
BIN ICH MORGEN SCHON ANDERER MEINUNG

Diese Möglichkeit ist gegeben. Der Gegenstand bleibt derselbe, aber
ich gehe weiter, wechsle den Standort (Sitzort) und damit tun sich mir neue
Perspektiven auf. Wie es scheint, kommt man mit freien unüberlegten Sachen immer wieder auf neue, interessante Zusammenhänge.

Ich habe da so meine eigenen Ansichten; mir scheint das ein Fall zu sein, bei dem Journalisten den Sprachgebrauch verwässern. "Sweet-Dreams" war ein Hit, und ich träum auch tagsüber oft vor mich hin: Hi, den*die*das* WWW*ORT bist/has(s)t DU!!!

_________________________
Claudia Klinger, Dirk Schroeder, Regula Erni, Ingo Mack, Guido Grigat, Regula Erni,
Julian S. Bielicki, Richard Blume, Mario Heguerta, JUH, Arnold Schillder, Jörg Piringer, Volker Piringer, Tade Szewczyk, Eric E. deWitt

(einige Zeilen aus Angelika Goeddes WWWörterWald)