Nietzsche & Einstein

Nietzsche in Haft

Kirchenasyl für Nietzsche

DogCommunication und die Menschen

Nietzsche & Einstein auf der Reise

Nietzsche & Einstein in Spanien

Einsteins Traum und dessen Folgen

Nietzsche & Einstein auf der Flucht durch Frankreich

HUNDE DEMO in Paris

Flanieren

Flug nach Zürich

Die Ankunft

Auflösung

Der offene Brief

 

 

 

Einstein & Nietzsche

Hunde-Demonstration in Paris

erdacht und geschrieben von Regula Erni & Hans Zengeler

 

Und während Nietzsche zu ergründen suchte, was Einstein plötzlich so verändert hatte, marschierten tausende von Hunden durch Paris. Übrigens sehr belldiszipliniert. Es war eine fast schweigsame, beeindruckende Demonstration. Die Hunde hatten Parolen umhängen, auf denen zu lesen war, daß sie vor allem freies Geleit für Einstein & Nietzsche forderten.

KEINE EXPERIMENTE
HUNDE FÜR FREIES REISEN
WIR FORDERN EIN ALLGEMEINES HUNDERECHT
GLEICHES RECHT FÜR HUND UND MENSCH
WIR FORDERN DEN SELBSTBESTIMMTEN HUND
PROFESSOR SCHWAIGERN SCHÄMEN SIE SICH
STOP ALLER HUNDEVERSUCHE
usw. usw.

Wuwoujouaj, Nietzsche, jaulte Einstein fast wütend, wir springen, ich kneife nicht, ich werde demonstrieren - und garantiere für gar nichts!

Der verblüffte Nietzsche zögerte einen Augenblick; Einstein sprang und war in der nächsten Sekunde im Bois de Boulogne verschwunden

Nietzsche rannte, so schnell er konnte, hinterher, setze, während er rannte, Nachrichten ab...


[eilmeldung an m. & e.]
+++ e. im bois de boulogne verschwunden +++ versuche ihm zu folgen +++ keine ahnung, was umschwung bewirkte +++ schien seltsam entschlossen +++ merkwürdiger eigensinn +++ vermute intellektuelle trotzhaltung +++ nietzsche

[eilmeldung an max]
stoße zu m. & e. +++ einstein verschwunden +++ bois d. b. +++ helft bei der suche +++ dringend +++ kennwort: einsteins relativitätstheorie +++

chrrr, dachte Einstein, ich werde doch nicht einfach aufgeben und verschwinden - wäre ja gewufft, dieser von Schwaigern wird sich wundern - o da ist ja des Musée d'Art Naïf und wieder keine Aussichten, es mir genauer anzuschauen, chrrr, ich muss herausfinden, in welchem Hotel er abgestiegen ist, dieser von Schwaigern, chrr -

Nietzsche folgte schnüffelnd der Spur seines Freundes, was bei der Masse der umherlaufenden Hunde nicht leicht war. Noch immer konnte er sich keinen Reim darauf machen, was Einstein so verändert hatte. Diese Retrievers sind vielleicht so, dachte er, was weiß denn ich. Und schnüffelte und schnüffelte, sah nicht links nicht rechts, hielt die Schnauze immer dicht am Boden, was aussah, als gleite er auf Schienen dahin ...

Einstein lief noch immer fast blindlings auf das Stadtzentrum zu, prallte mit einem Border-Collie zusammen, entschuldigte sich, während sich der Border Collie mühsam erhob und seine vier Beine unter sich brachte. Einstein wollte weiter, er musste diesen von Schwaigern finden - koste es was es wolle, doch dann besann er sich auf seine guten Manieren, liess seine Rute freundlich kreisen und wartete höflich bis der Border-Collie sich entfernte. Und während er wartete, traf ihn die Erkenntnis wie ein Blitz aus klarem Himmel.

Georges V... Einstein rannte...

Nietzsche blieb stehen, schnüffelte genauer, drehte sich im Kreis, hier mußte auch Einstein kurz stehengeblieben sein. Er sah sich um, funkte seinen jetzigen Standort an Max, ging weiter. Einstein, verdammt, was machst du denn, warum bist du einfach abgehauen, ohne dich näher zu erklären, wuuuuufff. Ein kleiner Pinscher sprang erschrocken zur Seite, stellte sich dann Nietzsche wütend wiffend in den Weg, Nietzsche schnüffelte unbeirrt weiter ...

Nur noch ein paar Hüpfer vom Champs Elysée und der eindrucksvollen Fassade des Four Seasons Hotel George V hielt Einstein endlich inne. Wuwu, warum bloss habe ich nicht auf Nietzsche gewartet; er wüsste, wie ich mich an dem Portier vorbei schleusen und in die Suite von von Schwaigern kommen könnte, aber so allein???

Ein hübsches Zimmermädchen mühte sich mit einem Mops ab, der so rund und wohlgenährt war, dass er gar nicht mehr Gassi gehen mochte und warf Einstein einen liebevollen Blick zu. Einstein überlegte nicht lange. Vorsichtig schubste er den Mops vorwärts und das Zimmermädchen fing Einsteins weiches Fell zu streicheln an...

Was war los? Nietzsche schnüffelte in alle vier Himmelsrichtungen und fand Einsteins Spur nicht. Verdammt, dachte er wütend, er hätte ja mal wenigstens eine eindeutige weithin zu erschnüffelnde Duftmarke setzen können. Hunderte von Hundegerüchen, da war es nicht leicht, die einzig richtige zu finden, noch dazu wenn einem der Magen knurrte und der Hunger einen anfiel wie ein böser Wolf.

Wuuuuuuff, Einstein, bellbrüllte Nietzsche, wuuuuuuuuff, wuoooaaaufff ...

und mailte Marten, Elisa, Max, er sei in der Nähe der Champs Elysées und habe Einstein stop aus der Nase verloren stop ...


In diesem Augenblick erreichte Einstein, der das Zimmermädchen und den Mops begleitete, den Dienstboteneingang des Four Season Hotels, Einstein hob das Bein und setzte eine Marke direkt vor dem Eingang. Das Zimmermädchen machte die Tür auf, wedelte mit der Hand als wolle es Einstein vertreiben und zerrte an des Mops Leine im vergeblichen Bemühen, diesen zum Eintritt zu bewegen. Ehe das Zimmermädchen reagieren konnte, war Einstein an ihr vorbei gehuscht, eine Treppe hochgelaufen und auf dem Weg zu den Suiten ...

Plötzlich stand eine Frau vor Nietzsche und sprach ihn mit Namen an.

Wuff, sagte Nietzsche und machte ein paar Schritte zurück, um für den Fall des Falles gerüstet zu sein.

Nietzsche, wiederholte die Frau.

Wuff, nickte er, erschnüffelte plötzlich Einstein wieder; und zwar zweifach, einmal aus den Kleidern der Frau, dann aus Richtung der anderen Straßenseite, von der eine mächtige Duftmarke zu ihm wehte.
Die Frau schien Einsteins Frauchen zu sein, warum sonst sollte sie seinen Namen kennen und dazu noch heftig nach Einstein zu riechen. Doch Nietzsche hatte keine Zeit, er mußte auf die andere Straßenseite, ein Hotel, an dessen Eingang Einstein Hundseidank und endlich eine Duftmarke gesetzt hatte.
Die Frau kam Nietzsche nachgelaufen.
Der Doorman des Hotels stand breitbeinig da und wollte Nietzsche verjagen, doch hatte er nicht mit dessen Schnelligkeit gerechnet, denn im Bruchteil von kaum einer Sekunde war Nietzsche zwischen den Beinen des Doorman hindurch in die Halle gelaufen ...

Die Nase hoch in die Luft gestreckt, hielt Einstein inne - Nietzsche, Nietzsche hatte ihn gefunden, er jagte die marmorne Treppe hinunter und schlidderte in die Empfangshalle.
Weil Marmor für Hundepfoten viel zu glatt ist, prallte Einstein ungebremst auf Nietzsche, der vor einem goldenen Tischchen, auf dem eine wunderschön restaurierte minotaurische Amphore in Original-Kobalt, mit wunderbaren Blumen darin, stand, Halt machte. Das Tischchen bewegte sich, die Amphore zitterte leicht, geriet ins Schwingen und fiel auf den Marmorboden, wo sie mit entsetzlichem Knall in Tausend Stücke zerbarst, während Einstein und Nietzsche auf leisen Pfoten durch die entsetzt aufschreienden, aber reglosen Menschen zur Treppe zu den Suiten huschten. Der Knall liess die Hotelgäste ihre Zimmer verlassen und nachsehen -

Nietzsche, wuffelte Einstein, wie gut, dass du da bist.
Hier muss er wohnen, dieser von Schwaigern, ich will
eine Unterhose von ihm oder ein Hemd und dann die
Owtscharkas ihn bannen lassen - er soll, wuwu, Einstein
keuchte, nicht so einfach davon kommen.

Tssssa, mußte Nietzsche niesen, der einmal mehr über Einstein staunte: wuff.
Wann bist du nur auf diese Idee gekommen und warum hast du mir nichts gebellt? Wuff, und die Owtscharkas, von denen hast du mehrfach gesprochen, wuff - bannen lassen - wie soll das gehen?

Nietzsche, wir wissen nicht, wie von Schwaigern riecht
oder aussieht. Wir müssen das ganze Hotel durchkämmen, ehe du Unterhosen, Hemden oder Handschuhe klauen kannst.

Ungehindert bepfoteten sie den dritten Stock. Vor der Gogol-Suite standen vier Menschen und unterhielten sich; die Tür zur Suite stand offen. Einstein blieb wie
angewurzelt stehen, Nietzsche hinter sich.

"...nein, Herr Professor!" sagte eine weiche Frauenstimme, "Nietzsche habe ich zwar gesehen - und ich bin überzeugt, dass er in diesem Hotel ist, aber von Einstein keine Spur..."

"Los," wüsterte Einstein Nietzsche zu

... der sofort losrannte, während Einstein gleichzeitig einen solchen Lärm machte, daß die anwesenden Hotelgäste auf den Flur heraustraten, um nachzusehen, was los war, was Nietzsche wiederum für sich nutzen konnte, dank seiner Wendigkeit war es ein Leichtes für ihn, zwischen Beinen hindurchzuflitzen und im Badezimmer nach einem Unterhemd zu schnappen.
Rannte wieder nach draußen, wieder zwischen immer zahlreicher werdenden Beinpaaren hindurch, sah, wie Einstein sich gewissermaßen von Stockwerk zu Stockwerk nach unten lärmen wollte, rannte ihm nach ...

Nur noch diese Treppe, Nietzsche, und die Halle und wir...

Und wieder gelang es Einstein nicht, zu bremsen, er schlidderte über den Marmor auf eine Frau zu, die mit ausgebreiteten Armen auf ihn zukam, prallte mit voller Wucht gegen deren Beine, warf sie um, hörte das "Auwei" der herumstehenden Menschen und schlidderte weiter, auf den Portier zu, der breitbeinig die geschlossene Hoteltür bewachte, zu. Der seidene Chinateppich, der vor der Tür lag, endlich brachte ihn zum Stillstand.

"Umdrehen, Nietzsche," bellte er und wendete in Richtung Dienstboteneingang, "vielleicht haben wir da mehr Glück."

Aus den Augenwinkeln nahm er das Öffnen der Lifttüre wahr und dann hing auch schon der Geruch nach von Schwaigern in der Luft, aber Einstein hatte keine Zeit, sich damit auseinanderzusetzen; er hatte den breiten Lieferanteneingang, der vor dem Dienstboteneingang lag und dessen Türen weit offen standen, entdeckt.


"Nietzsche," bellte er, "Nietzsche - hier, ist alles offen - komm..."

Wuuuuffff, gehorchte Nietzsche,

und sie verschwanden beide durch die offene
Tür, eine Schwingtür offenbar, deren Arretierung durch einen Rempler Einsteins aufschnappte, so daß den unmittelbaren Verfolgern die zurückschwingende Tür ins Gesicht knallte.

An alle Owtscharkas, mailte Einstein, auf der Demo in Paris: bitte helft uns von Schwaigern und Team zu bannen. Nietzsche hat ein Leibchen von ihm; ihr könnt seinen Geruch aufnehmen. Wenn ihr Hilfe braucht, wendet euch doch bitte an die Bloodhounds; sie sind die besseren Erschnüffler als wir alle zusammen. Einstein

Einstein gab noch schnell die Koordinaten durch und verschwand mit Nietzsche hinter einem dicken Baumstamm.


Bannen, Einstein gähnte, heisst, sie werden einen Kreis bilden um diese Menschenmeute und diesen Kreis immer enger ziehen. Ganz, ganz eng, so dass sie keinen Schritt mehr vor oder zurück machen können und drohend knurren - wuwuw - weisst du, nicht beissen oder so, aber knurren

rrrrrrrr, ich kann es mir vorstellen, Einstein, aber was geschieht dann?
Ach, und wuff, das hätte ich fast vergessen: bevor ich ins Hotel ging wurde
ich von einer Frau angesprochen, könnte das dein Frauchen gewesen sein? Sie
müßte doch noch hier irgendwo ... sie muß den Tumult doch ...

wuwuwu, Eliza - Eliza im George V, das kann ich fast
nicht glauben, die kann dieses Set, diese Seter, diese
Jet - die Leute, die behängt und beringt sind wie
Christbäume geschmückt, das kann nicht Eliza -
freiwillig nicht, Nietzsche, nie wuwu

Wuff, ja dann weiß ich auch nicht, aber ...


an max: wo seid ihr stop bitte eilmeldung stop

Man hörte zunehmendes, lautes Gebell ...

Nietzsche, wuwuwuwoujoua, sie kommen, schau nur, bald
sind sie da - komm, wir stürzen uns da rein, wir müssen
wuwwu...

so verschwanden sie in der Hundemenge ...

SMS von Eliza an Nietzsche
Marten wurde im Hotel ohne jede Angabe von Gründen von der Police de sureté et de sécurité verhaftet - Max
wartet in seinem Hotel und ich stehe am Quai des
Orfèvres und warte, wart auf Marten, Einstein, Max und
dich

Einstein begrüsste seine Freunde mit überschwänglicher Herzlichkeit wujwujwuj.... Freunde? - Hunde, mit denen er seit Jahren über Email in Kontakt stand, die er aber nie gesehen hatte; Hunde, die ihm zuliebe aus aller Herren Länder nach Paris gefahren und gelaufen waren. Hannes von Engersholm und Kalininburg, ein Owtscharka Rüde, holte bei Nietschze das Leibchen ab...

Nietzsche war etwas betroffen wegen der soeben empfangenen Nachricht, die er Einstein nicht sofort mitteilen wollte, weil der sich doch so mit seinen internationalen Freunden freute.

Er mußte Max und Eliza abholen, damit man gemeinsam über eine Befreiungsaktion nachdenken konnte, wuff. Er machte sich bei Einstein flüsterbellend bemerkbar. Als dieser nicht gleich reagierte, knabberte er ihm am Ohr und hauchte ihm die SMS hinein...

Einstein erstarrte mitten in der Bewegung -

wuwwuwujoaaaaaaaaa, Nietzsche, wir werden den ganzen
Quai des Orfèvres in Trance versetzen - komm, die
Owtscharkas schaffen das mit den Bluthounds auch ohne
uns

Wuuaaff, lachte Nietzsche erleichtert, du und deine Owtscharkas, von denen werde ich, wuaaff, in Jahren noch träumen, aber jetzt holen wir unsere Menschen ab ...

In geradezu unheimlichen Tempo sausten die Hunde durch Paris.

BILD-Zeitung
DAS ENDE DES ÜBERSINNLICHEN PROFESSORS
von Schwaigern-Rüdesheimer (d. i. Helmut Pfefferle)wurde in Paris von
Beamten des BKA festgenommen.
Neben fortgesetzten Betruges, Amtsanmaßung, Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz wird ihm auch die Bildung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.
Pfefferle wird voraussichtlich heute nach Deutschland überführt und im Hochsicherheitstrakt Stammheim festgesetzt. Gegen seine Komplizen wird noch ermittelt.
Es stehen in Kürze weitere Verhaftungen bevor.
Die Aktion BILD KÄMPFT FÜR SIE - EIN HERZ FÜR TIERE bietet Einstein & Nietzsche Asyl.
Italienische Pressemeldungen, in denen behauptet wird, es handele sich um gefährliche Virenträger, sitzen einem Irrtum auf, der von Pfefferles Komplizen lanciert
worden ist.
BILD zwingt Corriere della Serra zu einer Gegendarstellung. Deutsche Urlauber ziehen sich aus Italien zurück. Der Bundeskanzler hat seinen Italienbesuch
abgesagt.

Wo ist dieser sagenhafte Quai des Orfèvres -wuwu wir
müssen über die Pont Neuf - Notre Dame - Nietzsche,
Louvre

In der Rue J.J. Rousseau bremste Einstein den Lauf scharf ab:

Nietzsche, wenn wir unsere Menschen wieder haben,
müssen wir nach Hause zurück -

Nietzsche wäre fast in Einstein hineingerannt, er schlug rechtzeitig einen Haken, prallte dabei mit dem Hinterteil - wuuiiii - gegen ein Verkehrsschild.

Mist, verdammter, wuuff.
Nach Hause zurück, meinst du? Ich meine, die unseren jetzt einfach im Stich zu lassen, wär auch nicht das Mark vom Knochen, Einstein. Und ich glaube nicht -

Naja, gut, Nietzsche, gehen wir halt wuwu - aber ich
sehne mich nicht grad nach einer Begegnung mit Eliza -wuwuwuiiiii - denk an den Versicherungskram, den sie zu erledigen hat wegen dem Georg V - oder meinst du, weil dort immer die vom Jet, vom Set - du weisst schon, die Seter - sind, es macht ihr gar nichts aus wuiwuiwui - vielleicht nimmt sie es mit einem Lächeln - los

Keine Sorge, Einstein, das wird alles Max machen, der hat eine Superversicherung für mich abgeschlossen, no problem, wuff, aber was mich erstaunt: was hast du gegen Eliza? Ist sie streng? Ich meine, wir sind zu zweit, wuff, wir sind Hunde, schneller als der Wind.

wuwu, sie ist - eigenwillig - wuwuwu - streng, wu,
manchmal - meist - immer und überhaupt, Nietzsche, was ist mit meiner Bank - Eliza hat nichts gesmst von der Bank, oder? wwuwuwu

und setzte sich wieder in Bewegung ...

Wuff, Einstein, ich verspreche dir, daß du deine Bank bekommst, Eliza wird das garantieren. Wenn irgend etwas schiefgeht, habe ich vielleicht noch eine Überraschung, von der ich allerdings nicht weiß, ob sie klappt. Wuff, schau mer amoe, wie ein deutscher Fußballkaiser, wuff, sagen würde ...

Nach dem Überqueren der Pont Neuf, blieb Einstein stehen.

wuwu, haben die Owtscharkas von Schwaigern die Flausen
ausgetrieben, Nietzsche, was meinst du - wuwu - in
dieser Riesenstadt funktioniert mein Empfänger nicht so
gut - kannst du mal...

Wuff, du hast noch nichts von der Meldung gehört, daß von Schwaigern verhaftet worden ist? Sollte ich vergessen haben, dir das mitzuteilen? Stand in großen fetten Lettern in einer deutschen Zeitung, wuff. Wir sind doch an diesem Stand vorbeigekommen, oder ...?

wouwou - wunderbar was die Owtscharkas alles fertig
bringen, aber dieses Blatt mit den grossen Buchstaben
lese ich nie - oder meinst du, ich müsse meine Meinung darüber ändern?

Max! Dort drüben steht Max mit deiner Eliza vermutlich, wuff, Einstein, komm!

Nietzsche rannte über die Straße, auf Max und Eliza zu, während Einstein stehengeblieben war, jetzt Platz nahm, als sei's ihm befohlen worden. Er bellte zwar zu Eliza herüber, machte aber keine Anstalten auch herüberzukommen. Er sah, wie Nietzsche sich an Max freute und dem das Gesicht schleckte, wie er an Eliza hochsprang und diese anbellte, was denn nun mit der Bank für Einstein sei. Wuwu, bellte Einstein von der anderen Straßenseite herüber, wuwu, was ist mit der Bank?

"Einstein," rief Eliza, "Fuss!"

wuwu - Einstein erhob sich, die Augen fest auf Eliza
gerichtet - wuwu siehst du Nietzsche, sie versteht
unser Gebell nur, wenn wir smsen oder mailen - und lief los, direkt in ein um die Ecke kommendes Auto hinein

Nietzsche jaulte auf, als empfinde er selbst die Schmerzen des Freundes, der auf der Straße lag. Er rannte sofort zu ihm, leckte ihn ab, Einstein, leckte und leckte, was ist mit dir, bist du schwer verletzt, kannst du aufstehen?

Einstein reagierte nicht.

Einstein! bellte Nietzsche verzweifelt, Einstein, komm schon, das kannst du mir nicht antun ...

Der hob etwas den Kopf und grinste Nietzsche an.

Halb so schlimm, hechelte er. Nur das hintere Sprunggelenk scheint verstaucht.
Aber Eliza soll ruhig ein bißchen Angst haben, wuwu.

Eliza beugte sich über Einstein - dummer Bub -sagte sie und ihre Stimme klang spröde als sie seinen Kopf zu streicheln anfing - wenn wir dich nicht hätten, bezahlten wir ein Leben lang Versicherungsprämien für nichts und wieder nichts - kannst du aufstehen, zum Tragen bist du einfach viel zu schwer...

Einstein grinste Eliza an, leckte kurz ihre Hand, obwohl er wusste, dass sie das gar nicht schätzte, und stand auf und hinkte neben ihr her, sein linkes Bein schmerzte schon nicht mehr so sehr.


Nietzsche, wo ist Marten?

Wuff! bellte Nietzsche Eliza an, die dieses reine Bellen natürlich nicht wortwörtlich deuten konnte.
Nietzsche rollte die Augen, seufzte.
Es war aber auch ausgesprochen komisch, trotz Anwesenheit aller Beteiligten, eine Frage mailen zu müssen:

[Kurzmitteilung an Eliza]
Einstein will wissen, wo Marten ist +++ bitte umgehend
antworten +++

Zu Einstein bellte er: Soviel ich weiß, ist Marten verhaftet worden.

wuwu, das weiss ich, aber ich dachte, er wäre
unsretwegen verhaftet worden und sei jetzt wieder
frei - wouj, wenn er nicht frei ist, müssen wir den
Französischen Geheimdienst in Trance versetzen,
Nietzsche - schaffen wir das?

Wuff, Einstein, du hast Ideen ... Moment ...

[sms v. eliza an nietzsche]
ist einstein beleidigt? +++ warum smst er mir nicht? +++
marten vor einer stunde in die schweiz abgeschoben +++ wieder daheim +++gruß an einstein +++

Hast du mitlesen können, Einstein?

wuwu, bestätigte Einstein und

nein, smste Einstein an Eliza, ich bin nicht beleidigt,
aber es ist umständlicher, sich mit dir zu unterhalten
als mit Nietzsche und ausserdem ist Nietzsche besser
und schneller im Smsen als ich - was machen wir jetzt? Fahren wir nach Hause?
ohne einen Blick in den Louvre geworfen zu haben? Da ist man einmal in Paris und...

[sms v. eliza an einstein]
da hör sich einer diesen hund an +++ wohin willst du?
+++ louvre oder jeu de paumes +++ sonst noch einen wunsch? +++

Nietzsche wuffte. Die Demonstration scheint sich aufgelöst zu haben. Der Weg ist frei. Wir können tun, wonach uns der Sinn steht, wuff, Einstein, alter Kämpfer, was meinst du, wuff.

wuwuwu, bin froh, dass Marten frei ist, mit dieser in
Tranceversetzen hätten wir vielleicht Schwierigkeiten
gehabt wu - gehen wir in den Parc de Monceau wuwu -
Fische gibt's dort und Bäume - und den Montmartre,
wo Picasso gelebt hat und van Gogh - und bloss nicht die Satelliten-Städte - komm, Nietzsche, wir laufen voraus....