Nietzsche & Einstein

Nietzsche in Haft

Kirchenasyl für Nietzsche

DogCommunication und die Menschen

Nietzsche & Einstein auf der Reise

Nietzsche & Einstein in Spanien

Einsteins Traum und dessen Folgen

Nietzsche & Einstein auf der Flucht durch Frankreich

HUNDE DEMO in Paris

Flanieren

Flug nach Zürich

Die Ankunft

Auflösung

Der offene Brief an die Autorin und den Schriftsteller

 

 

 

Einstein & Nietzsche

Kirchenasyl in Basel für Nietzsche

erdacht und geschrieben von Regula Erni & Hans Zengeler

 

Wouwoooou, Nietzsche - du bist ja ein richtiges
Windspiel, joau, ich freue mich auch, wouuuu. Wu, wir
müssen etwas leiser sein, wenn wir nicht die
Aufmerksamkeit aller Dobermänner und Rottweiler in der
Umgebung auf uns ziehen wollen. Gewiss bist du
hungrig - schau, ich hab dir einen feinen Knochen
aufbewahrt.
Wie unendlich schön, dass du hier bist, Nietzsche --

jooooooooooouuuuu, Einstein, was für ein Knochen, danke, den nagen wir gemeinsam ab unter der Kirchenbank. - Es ist ja doch ein großer Unterschied so Aug in Aug, so schnauzen-, so geruchsnah ... Wir beide, in Basel, in der Schweiz, wer hätte das gedacht ... aber der Knochen ist eins A, findest du nicht, Schweizer Qualität, kriegst du sowas jeden Tag?

www, Nietzsche, wir müssen still sein. Der Pfarrer
sagt, sie haben uns entdeckt. Das GPS in deinem iPac
hat uns verrraten. Komm schnell, wir verschwinden in
den Krypten, dort sind die Wände so dick, dass uns
keiner hören kann. Bitte, lieber Nietzsche, wir müssen
da hinunter steigen...

Gut, Einstein, ich schnüffle dir nach, aber das mit meinem iPaq versteh ich nicht, ich dachte, ich hätte es nach meiner letzten mail zerbissen ...

wouuuu, wenn die uns geortet haben nachdem du deinen
iPac zerbissen hast, kann das nur bedeuten, dass das
GPS in deinem Magen bzw. deinem Gedärme lagert. Komm jetzt bitte, lieber Nietzsche, wir müssen in die Krypta und
dort warten

wiff, ich komm schon, Einstein, wff -

BASLER- und LUDWIGSBURGER ZEITUNG

 

[Eingetroffen 17.31 Uhr folgende Meldung per Email ohne Absender: ...nein, du darfst dich nicht fürchten; Bobby wird uns schon etwas Essbares organisieren, Nietzsche. Es tut mir leid, dass dir schlecht geworden ist in der Krypta...
Einstein, ich habe mir die ganze Zeit überlegt, dass - ja, ich meine, sei mal ehrlich: bist du nicht manchmal traurig, dass du Pfoten hast anstelle von Händen?
Ach, Nietzsche, ich weiss nicht, wie es ist, Hände zu haben... - schau da drüben ist Bobby, der Hund von... wfff, Einstein, keine Namen...]


Jede natürliche Deckung ausnutzend, überaus wachsam nach allen Seiten hin schlichen Einstein und Nietzsche durch Basel, wobei sie bemüht waren, sich nur telepathisch, geräuschlos also, zu unterhalten:


Ich hab keine Angst, Ei - wff-, wie sollte ich Angst haben, wenn du dabei bist - Vielleicht kommt dir das jetzt arg komisch vor und du denkst, der Nietzsche dreht durch: aber dürfte ich dich mal ins Ohr beißen? Du hast so schöne große Ohren, und ich liebe Ohren, ich hab meinem Vater immer in die Ohren gebissen, der hatte richtige, bis zum Boden hängende Lappen, meinst du, ich dürfte mal reinbeißen, nur ganz sanft, versteht sich, ich brauch das jetzt ...

Wauawauawaua, dem sagst du "sanft"? Meine Ohren sind
sehr empfindlich und wir
mitten auf der Strasse. - Überhaupt dachte ich mit den
Ohren hätte sich nur dieser Maler, dieser van Gogh,
nicht Nietzsche -
Jetzt tu doch nicht so, wuwuwu! Schau, dort drüben...

... zu meinem Geburtstag mußt du mich reinbeißen lassen ... was ist dort?
Ich sehe nichts ...


...und riechen tust du auch nichts? Wann ist denn dann
dein Geburtstag? - Wir sind gleich da...

... ich rieche Menschenfleisch. Mein Geburtstag ist morgen. Glaube ich. Wie ist das jetzt mit deinen Ohren?

hnmschhmnschn, Nietzsche, ich glaube, du irrst dich,
mein Freund, hier riechts nicht nach Menschenfleisch;
hier riechts nach HappyDog, nicht grad mein
Lieblingsfutter, aber zur Not - dein Geburtstag ist
morgen? Du musst noch hungriger als ich sein. Was ist
mit meinen Ohren? Habe ich etwas überhört...


dlab, tschlb, Einstein, jetzt riech ich es auch, kenne das aber nicht: Happydog, Hundekeks? Was mit deinen Ohren ist? Sie sind schön und lang und sicher weich, zum Reinbeißen eben, überhörst du das bewußt?


keine Kekse - Büchsenfleisch, ist für Easy bestimmt und für Bios. Lieb von den beiden, dass sie für uns -
überhören? Was überhören? - Omeine Ohren - Vorsicht, du fällst noch Schnauzevoran in den Fleischtopf vor lauter Einsteinohrenbeissen wuwuwu, schlaberschlaberschlaber -

tschlup, tschlup, gar nicht übel dieses schweizer Büchsenfleisch, Hund Einstein! - Wer hätte je gedacht, daß ich so bald mal mit dir aus einem Topf fresse. Das macht Spaß, tschlup, tschlup - aber wer ist Easy und wer Bios?

Easy - schlapschlap - und Bios - schlapschlap - sind
Freunde - schlaberschlaber - vom Stamm schlaber - der
Labrador -

Tschluptschlup, Labrador, auch gute Hunde, du scheinst aber auch mächtig Hunger zu haben, oh, verzeih, jetzt habe ich ganz aus Versehen dein Ohr erwischt, tut mir leid, Einstein, mußt nicht knurren ...

chchch - das war weniger ein Versehen als Absicht.
Wuwuwau: du hast mich ins Ohr gebissen und damit dein Geburtstagsgeschenk vorbezogen, Nietzsche...

Ich konnte einfach nicht anders. Als ich dein Ohr so nahe vor meiner Scnauze baumeln sah - da ist es einfach über mich gekommen. - Findest du mich eigentlich blöd? Ich meine, weil ich solche Ohrenbeißwünsche hab?

wu, Nietzsche, die Verhaltensforscher nennen dein
Einsteinohrenbeissen "zwanghaft" und damit meinen sie, du gehorchst dem inneren Zwang, du kannst nichts dafür; der Druck in dir wird so gross - das sage nicht ich, das sagen die Behavioristen - dass du ohrenbeissen
musst, wuwuwu -

Wouff Einstein, staunte Nietzsche, so hat mir das noch keiner erklärt. Woher weißt du das alles? Hast du studiert? Wo sind wir jetzt überhaupt? Wohin gehen wir, Einstein? Sollten wir vielleicht eine SMS an unsere sogenannten Besitzer absetzen? Ich meine, wenn wir sagen, daß wir mal eine Weile Urlaub von ihnen brauchen, dann läßt uns auch die Polizei in Ruhe.


Wu, ich überlege gerade: SMS oder nach Hause
zurückkehren. - Ja, lieber Nietzsche, ich habe etwas
Psychologie studiert und Verhaltensforschung betrieben.
Eine Zeit lang. Und dann habe ich eines Tages in aller
Frühe beim Aufwachen gemerkt, dass das, was ich mache,
keinem wirklichen Nutzen bringt, dass ich mich
verändere und nicht zum besseren und andere zu ändern, zu manipulieren versuche, was mir ganz und gar nicht entspricht und total gegen den Strich geht - wu, wu, magst du deine SMS gleich bellen?

wiff, Psychologie, fragwürdiges Thema, ich lag selber mal ein paar Wochen auf der Couch eines Therapeuten, Einstein, die Diagnose lautete Pubertätsneurose, vegetative Übererregbarkeit, hieß es, weil ich mitternächtlich immer zu jaulen anfing, dabei aber doch nur träumte, bloß gefiel das meinem Herrchen nicht, der hat einen Schlag weg, der Hund, sagte er, aber du scheinst etwas unentschieden zu sein, willst du etwa nach Hause?
Sollen wir nicht noch auf das Matterhorn steigen, ich meine, wenn es doch nicht so arg weit weg ist, und jeder Hund sollte in seinem Leben mal auf dem Matterhorn gewesen sein, oder?

wuwu, wenn ich dich so anschaue, Nietzsche, ist es
gescheiter, wenn wir Basel verlassen, nach Zürich
trampen und dort den Üetliberg besteigen - mit
Pubertätsneurosen muss man vorsichtig sein; sie
verstärken sich manchmal mit zunehmendem Alter


Unterschätze mich nicht, Einstein, wir kleinen Hunde sind zäh; ich war schon mal am Berg, auf über 3000 Meter, hab aus dem Stollen in die Eiger-Nordwand geguckt, saukalt war's, aber natürlich ist mir Zürich auch recht, los geht's, wer hält die Pfoten zuerst raus zum Trampen?

Wow, Nietzsche, ich halt die Pfote raus und du
übernimmst die SMS

Gesagt, getan. Es geschah alles mit großer Selbstverständlichkeit. Ohne groß überlegen zu müssen, entdeckten die Hunde ungeahnte Möglichkeiten an sich. Sie konnten sich nicht nur elektronisch mitteilen, sie konnten auch reisen, waren, kurz gesagt, drauf und dran, der Menschheit ihre sozusagen hündische Selbständigkeit zu beweisen. Es war beschlossene Sache, nach Zürich zu trampen, Einstein hielt erfolgreich die rechte Pfote hoch, kurze Zeit später hielt ein Motorrad mit Seitenwagen, der Fahrer winkte die Hunde herbei, Einstein forderte Nietzsche zum Einsteigen auf.

Kann man dem Fahrer trauen? fragte dieser mißtrauisch. Nicht daß das ein Hundefänger ist.

Wuuuu, Nietzsche, mein Freund, komm, sei nett und steig mit mir in diesen Seitenwagen


Tscha, tscha, Einstein, ich muß immer niesen, wenn mein Mißtrauen geweckt wird, aber was soll’s, du bist bei mir, zu zweit sind wir stark.

Sie sprangen in den Seitenwagen, das Motorrad knatterte los.


Hundfänger sind mit grossen, schwarzen Kombis unterwegs
und nicht mit Motorrädern oder Fahrrädern - freu dich,
Nietzsche, das wird eine Fahrt mit unbekanntem Ziel,
das Zürich sein mag, oder Interlaken oder Genf

Mailand oder Genua oder Marseille oder Madrid oder Amerika, wer weiß das schon, wenn's nur nicht so zugig wär, jubelte Nietzsche.

Doch plötzlich kamen auch Einstein Bedenken:

Wuwuwououuu, Nietzsche, Nietzsche, die Plane, sie kommt
mir in den Weg, halt dich bereit, du musst, wenn er die
Fahrt verlangsamt oder das Vehikel anhält, abspringen
und - er fährt in Richtung Testlabor - umhundeswillen,
ich halte die Plane mit der Schnauze hoch - höher als
jetzt und du wirst springen, hörst du: springen und
laufen, laufen - jetzt, Nietzsche, jetzt - nein frag
nicht, spring!

Verdammte Scheiße, Einstein, ich hab’s doch gerochen, daß da was nicht stimmt, aber ich springe erst, wenn du gesprungen bist, ich bin kleiner, ich komm auch unter der Plane durch, also du voran, Einstein, los!

Wou Nietzsche, spring - du darfst mich dafür in beide
Ohren beissen - spring...

Wuff, Einstein, entweder mit dir oder gar nicht, widersetzte sich Nietzsche, ich ahne schon, daß du mir nicht nachspringen willst oder kannst, deshalb, Einstein, spring zuerst und vertraue mir, ich bin klein, ich kann wirklich unter der Plane durchkriechen - siehst du: die rote Ampel? Er muß anhalten, dann können wir beide gleichzeitig springen ..wuffwuff

Wuwu, gab Einstein nach, ich halte die Plane und wir springen... eins,
zwei.........drei

wuffiiiiiiiiii, es lebe Einstein und die Freiheit der Hunde, Hunde aller Länder vereinigt euch am Zürichsee ...!

Das war gerade noch einmal gutgegangen. Dachten sie. Doch plötzlich begann jemand – der Motorradfahrer vermutlich – auf sie zu schießen, mit einem Betäubungsgewehr, wie Nietzsche vermutete, das hatte er schon mal im Fernsehen gesehen. Einstein riet, Finten zu schlagen, sich in Richtung Bahnhof zu bewegen, der befinde sich unweit von hier.
Der Hundefänger aber schien nicht so schnell aufgeben zu wollen. Er schoß immer noch. In letzter Sekunde entdeckte Einstein eine Toreinfahrt, durch die sie verschwinden und sich in der Schwärze der Nacht unsichtbar machen konnten.
Noch ein Schuß.
Ziemlich nah.
Nietzsche jaulte auf.

Nietzsche, Nietzsche, wo
bist du, bist du getroffen - Nietzscheeeeeeeeeeee

Keine Panik, Einstein, ist nur ein Streifschuß am Ohr, ausgerechnet am Ohr, Himmel nochmal, jetzt ab durch die Mitte, vielleicht kannst du mir das Ohr nachher gesundlecken ...

 

+++Verfahren gegen Einstein und Nietzsche vor der 1. Kammer des Bezirksgerichts eingestellt+++Suche nach Einstein und Nietzsche abgebrochen+++Nietzsche in Basel verschwunden +++ Vermutlich mit einem Retrieverrüden namens Einstein auf der Flucht +++ Besitzer entdeckt seltsame Botschaften in seinem Computer +++ Wer kann etwas sagen über den Aufenthaltsort von Nietzsche und Einstein +++ Bilder folgen +++ LKZ Eilmeldung Ende +++