Nietzsche & Einstein

Nietzsche in Haft

Kirchenasyl für Nietzsche

DogCommunication und die Menschen

Nietzsche & Einstein auf der Reise

Nietzsche & Einstein in Spanien

Einsteins Traum und dessen Folgen

Nietzsche & Einstein auf der Flucht durch Frankreich

HUNDE DEMO in Paris

Flanieren

Flug nach Zürich

Die Ankunft

Auflösung

Der offene Brief

 

 

 

Einstein & Nietzsche

Viva Espania - VIVA

erdacht und geschrieben von Regula Erni & Hans Zengeler

 

wuwu, das Meer? - dort, hinter dem Hügel, der sich
scharf gegen den roten Schimmer des heraufdämmernden Tages abhebt - Vorsicht, Nietzsche, der Laster - der Fahrer kann uns nicht sehen, das Licht ist zu diffus - jetzt ist's gut - querhügelauf - los - wer zuerst oben
ist...

Waaaff, du bist ganz schön schnell für dein Gewicht, wuaaafff, aber noch
hast du nicht gewonnen, Einstein, und wenn ich zuerst oben ...waaaa ....bin,
beiß ich dir ins Ohr ... wuff ... gut, hattest bessere Kondition, Kunststück, wenn man jeden Tag joggen geht, aber, wuff wuff, schau, das Meer, tatsächlich, ich vermute mal Südfrankreich, was meinst du, könnte das Mittelmeer sein, oder doch der Atlantik, na wir werden sehen, wuff.
Wie wär’s mit einem Bad? Wer zuerst unten am Strand ist, paß auf, dann tunk ich dich unter Wasser, kannst du tauchen, wuff, Einstein, wuff, wiffiiiiiiiiiiiiii
....

platsch - wuchwuchch - wie herrlich das Meer ist, das
Wasser, Nietzsche - schau mal, wir sind an der
nördlichen Atlantikküste, ist das nicht herrlich?
Willst du wohl aufhören, mich in meine Ohren zu
beissen, du? - Pass auf, ich beisse zurück - nein, du
entkommst mir nicht - wuwu, das ist ja ein Kiesstrand,
wir wollten doch Sand - wua, still, Nietzsche, ganz
ruhig, nur einen Augenblick lang, ich fang uns einen
Fisch ---- wuschwusch, hilfst du mir mal, shit, jetzt
ist er mir aus dem Maul - wunderbar, Nietzsche, gut
gemacht, exakt hinter den Kiemen - wum, das nenn ich ein feines Frühstück.....

Wmmtschlp, hervorragend, Einstein, hier ein Stück für dich, bester Atlantikfisch, wwmmff, mir ist so kannibalisch wohl als wie fünfhundert Säuen, beiss nur zu Einstein, ich versuch noch einen zu schnappen, wuff -------ffffffffff----wuff, ein Riesenapparat, Einstein, den schaff ich nicht, ein Seeteufel, wui, sieht der häßlich aus, wuff, wuff, Einstein, Hiiiilfe, der Boden gibt nach -

Niiietzsche, Niiiietzsche, du darfst dich nie mehr mit
Fischen, die grösser sind als du, anlegen, verstehst
du? - Ist ja schon gut, der Seeteufel ist beim Teufel,
schade - ich hätte ihn gern mit dir verspiesen -
Hauptsache, wir haben dich gerettet, bleib jetzt hier
am Strand, ich hole uns noch zwei, vier Fische und wenn du dich wieder fit fühlst, schauen wir uns die Gegend an, wuwu - pflatsch

wuff, danke, Einstein, fffffftsch, das war knapp, hab schon Wasser geschluckt, wuff, Einstein, pass auf dich auf, hörst du, wuffwuffwuff ...

der Seebarsch, schlappschlapp, eigentlich heisst er
Loup de mer, ist auch nicht zuverachten - oder,
Nietzsche, legst du dich nicht nur im Besonderen
sondern auch im Allgemeinen gern mit grossen Fischen
an - wu

Sie waren so sehr ins Fressen und Angeln vertieft, daß sie zunächst nicht bemerkten, wie sich jemand an sie heranschlich. Nietzsche bemerkte den Beobachter zuerst. Es war ein ziemlich großer Hund, der sie mit gefletschten Zähnen anknurrte.

Hörst du ihn? fragte Nietzsche überflüssigerweise. Was will er? Was machen wir jetzt?

wua, vielleicht ist er gar nicht unser Feind,
vielleicht ist er nur hungrig, das haben wir schnell
herausgefunden: wir lassen diesen kleinen Fisch liegen
und fangen langsam nach links zu laufen an - komm,
schon, Nietzsche, du kannst später mehr Loup de mer
fressen, lass - komm jetzt, langsam, Nietzsche,
langsam, nicht so stürmisch - so ist's gut - wirf mal
einen Blick zurück und sag mir, was er macht...

Vorsichtig schaute sich Nietzsche um. Er beobachtet uns weiter, wuffte er, jetzt duckt er sich, schleicht langsam heran, mal sehen, was er macht, wenn wir stehenbleiben, tun wir so, als schauten wir aufs Meer hinaus?
Oh, er rennt auf uns zu, Einstein, wuff wuff, wuff ... soll ich angreifen?

wuwunein! auf gar keinen Fall. Ruhig bleiben, im
Notfall ins Wasser. Tauchen.

rrrrrrrrrrrr, was bellt er? Hundepolizei, rrrrrrrrrr, gibts sowas, wuff, policia de perros, panisch, wuff, wuff, sollen wir nicht besser abhauen? schlug Nietzsche vor, den sein anfänglicher Mut jetzt verlassen hatte.

wu, die spanische Hundepolizei in Frankreich - wuje,
Hundeinterpol? - gegen die haben wir keine Chance - und Papiere haben wir auch nicht - wie sollen wir jetzt
nach Spanien kommen, Nietzsche? - wuwu, da fährt kein Güterzug - komm, wir laufen, Schwanz runter und ab durch die Mitte - los....
Siehst du den Lastwagen dort, wuwu, sieht aus, als
wolle er bald abfahren - wir springen auf die
Ladefläche -

Sie rannten mit heraushängenden Zungen auf den kleinen Lastwagen zu, sprangen auf, sahen jetzt, wie sich der angebliche Polizeihund über die liegengelassenen Fische hermachte. Nietzsche ärgerte sich. Einstein beschwichtigte ihn und meinte, jener Hund habe wohl seit Tagen nichts mehr zu fressen gehabt, so wie der über die Fische herfalle. Im gleichen Augenblick empfing Nietzsche folgendes Telepathiegramm von Max. Einstein bat ihn, es vorzulesen, sofern es sich nicht um eine allzu vertrauliche Mitteilung von Herr zu Hund handele.

An Einstein und Nietzsche, las dieser vor, stop neue Regelungen im Hundereiseverkehr stop Hunde brauchen jetzt Reisepaß stop nicht nach Spanien einreisen stop Guardia civil nimmt jeden illegalen Hund fest stop es droht langjährige Haftstrafe stop nicht nach Spanien stop Grüsse Max

Wuff, bellte Nietzsche, das gefällt mir aber gar nicht, wuff, Reisepässe für Hunde, was soll das -

wuwu, shit, warum müssen die uns regulieren, wir wollen doch gar keine Regulierungen, Pässe und Pappiere - hat Max nichts geschrieben von dem Weg über die grüne Grenze? Er muss doch wissen, dass wir nicht einfach aufgeben und zurückfahren. Das tun wir erst, wenn unser Vortragstermin in Freiburg fällig wird. Hast du ihm das von dem Gastvortrag schon gesmst, Nietzsche?

Der verneinte. Und dachte nach. Und schnüffelte mal wieder in alle vier Himmelsrichtungen, testete sein ganz persönliches Navigationssystem. Er war überzeugt, Bruno aus dreihundert Kilometern Entfernung riechen zu können, was Einstein etwas übertrieben fand, doch kannte der Brunos Eigengeruch nicht.

Die grüne Grenze, informierte Nietzsche seinen Freund, verläuft durch die Pyrenäen, und ich schätzschnüffle mal, wir sind in der Gegend von von Biarritz, bei Irun kommt die spanische, wuff, Grenze, vielleicht geht es auch übers Meer, wuff, wie gut kannst du schwimmen, Einstein, weil, wuff, Pyrenäen wäre ein arger, beschwerlicher Umweg, wuff, ich fordere hiermit uneingeschränktes Reiserecht für freie Hunde bellte er laut, worin ihn Einstein bestätigte:

wou, so ist es: "freies Reisen für freie Hunde" -
schwimmen? - stundenlang bis Frauchen die Geduld
verliert und ruft: "aus dem Wasser, du Ente". Aber wir
müssen an die stürmische See denken, an die Felsen und Riffe, was weisst du darüber oder kann Max etwas
telepathieren darüber

Wir brauchen Max nicht, meinte Nietzsche, an der Biskaya ist es um diese Jahreszeit
ruhig; so weit ich mich erinnere sind das höchstens hundert Meter raus, um eine Landzunge herum, dann wieder 100 Meter herein, da wird sicher nicht kontrolliert, wuff, jedenfalls nicht nach Hunden Ausschau gehalten ... ich kann aber nachtelepathieren, falls du das für besser hältst -

nein, wu, musst du nicht, aber sag mal, wohin fahren
wir denn jetzt - wir sind jetzt schon seit Stunden auf
diesem Laster, reden von der Biskaya, Felsen, Riffen
und einem Hundertmeterschwimmen, aber es ist nicht
sicher, wohin wir gefahren werden - oder weisst du...

Ich rieche jedenfalls die nähe spanischer Düfte, Kartoffelpfannkuchen, tortilla de patatas, wie die dort sagen, wuff, aber ganz genau – vielleicht sollten wir mal wieder abspringen, sobald der Laster etwas langsamer fährt, wir müßten dicht an der Grenze sein, sehr dicht, wuff, oder wir verstecken uns einfach unter der Plane dort und, wuff, hoffen, daß er über die Grenze fährt, was meinst du?

Der Grenzübergang ist klein - wir könnten Glück haben.
No risk no fun

Den Spruch kenne ich von Max' Freundin, lachte Nietzsche, wuff, darüber regt sich Max immer furchtbar auf, wuffwuffwuff, sobald jemand englisch spricht, regt er sich auf, aber jetzt schnell unter die Plane, Einstein, vorne zieht sich der Verkehr zusammen, ich glaube, das ist die Grenze, Hunde sind dort nicht zu sehen, wuff, und die Menschenpolizei kann uns ja nicht, wuff, riechen -

Fünfzig Meter vor der Grenze, sie hatten sich schon unter der Plane verkrochen, atmeten flach, ein erneutes Telepathiegramm von Max:

nietzsche, was ist das nun wieder stop anruf eines instituts stop soll dich an den termin 16.02. erinnern stop was treibst du denn stop was machst du für sachen stop gruß an einstein stop er soll ein auge auf dich werfen stop max

wou, regst du dich jetzt über mich auf oder über die
Freundin vom Max oder weil Max sich immer darüber
aufregt und Max Aufregung auf dich übergegangen ist - Übertragung nennt man das - egal, no risk no fun

Wfff, hauchte Nietzsche, war höchste Zeit, der Laster hält, kannst du hören, was die sagen?

Telepathiegramm an Max von Nietzsche (Französisch-Spanische Grenze, bitte in den nächsten Minuten unbedingte Telepathiedisziplin einhalten!):

Du sollst nicht gleich ausflippen, Max - hat Einstein gesagt und das Institut für angewandte Kommunikationswissenschaften und Parapsychologie von Prof. Schwaigern-Rüdesheimer hat uns gebeten, im Rahmen einer Seminarreihe einen Gastvortrag über moderne Hundekommunikation und -kommunikationsmittel zu halten. Abregen Max!
Nietzsche

Nach exakt fünf Minuten funkte Max, der offenbar in nicht geringen Schwierigkeiten steckte, zurück:

Ja, dein Einstein hat gut bellen! Ich sitz hier und jeder hält mich für einen Vollidioten. Sonderlich dieser Nachbar, der ein Schriftsteller ist. Stell dir vor, Nietzsche, kürzlich hat er vom Balkon aus zu mir rüber gebellt, wuff, wuff, hat er gemacht, und immer wieder: wuff, wuff. Und jetzt wollt ihr auch noch einen Vortrag bellen?
Telepathiere mir, wo das genau ist. Ich komme hin. Ich werde auch Einsteins Eltern benachrichtigen, ich meine sein Frauchen/Herrchen. Gruß und wuff Max

wuwu, die kontrollieren - nur die Papiere und wünschen
gute Reise - VIVA

w-w-w-w ... wir sind drin, Einstein - wu - warten wir noch eine halbe Stunde, dann springen wir ab, dann ists nicht mehr weit bis zu Bruno Brunito, dann gibts was Gutes zu fressen, wuff.
Siehst du die Mineralwasserflaschen dort hinten auf dem Laster auch. Oder, wuff, habe ich eine Halluzination? Wuff, ich merke allmählich, wie durstig schlabb, ich bin. Ob du eine aufbeißen könntest? Dürften, wuff, aus Plastik sein...wuff

wukay, warten und aufbeissen - mit diesen Verschlüssen hab ich Übung, im Sommer hole ich die leeren Flaschen, die stehn dann, weil keiner sie in den Keller tragen mag, stundenlang auf der Terrasse - roll mal rüber - wächchächäch - offen, sprudelt

tluptluptlup, danke Einstein, wuff, tlup, das zischt, es geht doch nichts über ein anständiges Mineralwasser. Phänomenal, wie du die Flasche ausgebissen hast, wuff. Vorne kommt übrigens eine lange Steigung, die kenne ich, da müssen wir abspringen, dann können wir den Berg hinunterrennen zum Meer, Sandstrand, wuff, diesmal, Bruno wird schon zwischen den Touristen rumrennen und Brote klauen, wuffwuff ...

Der Fahrer, der nicht im mindesten ahnte, welche Fracht er beförderte, mußte, um über den Berg zu kommen, runterschalten, was das Fahrzeug zunächst so stark verlangsamte, daß Nietzsche und Einstein es wagen konnten, ohne Schaden zu nehmen, von der Ladefläche zu springen. Der Fahrer wunderte sich noch über die zwei plötzlich aufgetauchten Hunde, die ihn überholten und auf dem Grünstreifen den Berg hochrannten. Oben angekommen, sahen sie das Meer. Nietzsche setzte schnell noch eine Nachricht an Max ab:

Max, nicht aufregen, dein Nachbar, der bellende Schriftsteller will wahrscheinlich nur
herausfinden, wie Hunde kommunizieren; er ist neugierig, er wuffelt nicht über dich, Max. Einsteins Eltern leben in Bejala, aber wenn du die mitbringst, sind wir etwas viele Hunde, meinst du nicht? – Willst du nicht lieber zuhause bleiben und mit uns
telepathieren? Einstein schlägt vor: du als Teil des Experiments um der Welt und dem Schriftsteller zu beweisen, daß das der Fortschritt ist. Überleg dir das und telepathiere es deinem
Nietzsche

Max reagierte sofort:

Nietzsche! Wie du meinst, dann bleibe ich eben hier. Ich habe allerdings immer noch etwas Schwierigkeiten damit, dem Willen eines Hundes zu folgen. Und: Ich hoffe, daß wir uns noch einmal sehen in diesem Leben. Ich vermute mal, ihr wollt Bruno einen Besuch abstatten. Du kennst den. Der macht manchmal so Sachen ... Na, ich denke, Einstein wird schon einschreiten. Übrigens bellt der Schriftsteller in diesem Moment schon wieder. Dein Max

Dann endlich rasten sie runter zum Meer, Nietzsche laut jaulend, denn er hatte Bruno bereits gesichtet, wie er gerade dabei war, einem dieser Sonnenanbeter das Brot aus der Strandtasche zu klauen.

- Wiffwiffwiff! Brunito!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! jaulte Nietzsche

- Wuawuawuawua, hola, Niiiiietzsche, amigo! staunte Bruno.

- Brunito, wuff! Alter Gauner! Einstein, schau, das ist Bruno.

Und Einstein schaute. Und staunte nicht schlecht über diesen schneeweißen Rüden, in dem alle möglichen Rassen vereinigt schienen, ein bißchen Kampfhund roch er auch heraus, daher zeigte sich Einstein zunächst etwas reserviert.

- Wuff, Bruno, das ist Einstein, mein bester Freund.

Wua, Einstein, wuawua, hab schon von euch gehört, amigos. Die ganze Hundheit bellt von euch. Aber sicher habt ihr jetzt erstmal Hunger, wua. Vamos, amigos, wua, die Touristen sind heut gut bestückt, wua, wua

Einstein zögerte. Die Touristen so einfach zu beklauen, widerstrebte ihm. Bruno zerstreute die Bedenken des edlen Retrievers. Hierzulande sei es ein anerkannter Hundesport, Touristen, Deutsche und Engländer vorzugsweise, zu beklauen, die seien, wie man ja sehen könne, eh gut genährt.

Wuwuuu, wiegte Einstein den Kopf, im Essenklauen bin ich nicht sehr geübt, aber - einen Versuch kann ich ja wagen, meinst du nicht, Nietzsche?

Wuff, bejahte dieser. Wir schauen einfach mal, wie Bruno das macht, wuff, dann sehen wir weiter ...

Während Bruno noch einigermaßen erfolgreich war, gelang es weder Nietzsche noch Einstein, sich unbemerkt, an die Taschen der Schläfer heranzuschleichen. Im Gegenteil. Hellwach waren einige der Touristen plötzlich, sie sprangen auf und jagten die Hunde davon, einer warf gar einen Sonnenschirm nach Nietzsche.

Wuff, wuff, wua, wua, wuff, wuff, wua, wua, nix wie weg hier, bellte Bruno laut, das sind, wua, Briten, die jagen alles, auch Hunde, wuff, schnell Einstein, wuff, wua, ich
hab genug für euch alle, wua, zum Felsen -

Es war noch einmal gut gegangen; sie hatten sich in Sicherheit bringen können, lagen nun in Brunos Versteck und ließen sich englische Sandwiches schmecken.

Ausgezeichnet, diese Sandwiches, meinte Einstein und sah Nietzsche an.
Was hast du? - wieder eine SMS?

Wuff, nickte Nietzsche, kann sein, aber ich verstehe nichts, könntest du mal reinhören, Einstein, wuff

Wueee, staunte Bruno, hört mal, das mit diesen mails und sms, könnt ihr das wirklich, wua,kann das jeder Hund?

Einstein hielt sich die Pfote vor die Schnauze.

Wscht, Bruno, ich muss - ha, das ist dieser Schriftsteller, Max Nachbar, er brabbelt
Unverständliches vor sich hin, klingt, als riefe er alle Heiligen zusammen – und dann, zu Bruno gewandt: wuwu, klar können wir das, sonst wären wir einander
doch nie begegnet.

Wua, hustete Bruno, wie hast du eigentlich gemerkt, daß du smsen kannst, Nietzsche?

Eigentlich weiß ich das jetzt gar nicht mehr so genau, erwiderte Nietzsche. Erst war es, glaub ich, der Computer. Ich habe ihn angesehen und einfach so zum Spaß an Einstein gedacht, weil der sich doch Sorgen machte wegen seiner Bank – und was soll ich sagen: wuff! kaum zu Ende gedacht, sind meine Gedanken bei ihm als Mail angekommen.
Ähnlich ist es mit einer sms, wuff, du mußt nur in der Nähe einer Funkantenne sein, wuff, kapierst du das, Brunito, wir sind mit unserer Technik den Menschen weit überlegen ...

Wie zur Bestätigung ihrer Fähigkeiten fand folgende Nachricht den Weg in die Felsenhöhle an der Biskaya:

An die Hundeherren Einstein & Nietzsche ++++ bitten um Terminbestätigung
++++ Rückflug im Privatjet des Instituts garantiert ++++ keine Behinderung durch spanische Behörden ++++ seien Sie am 16. 02. 08:00 GMT auf dem Flughafen Sondika +++ Bilbao +++ herzlichst Ihr Prof. S.-Rüdesheimer +++ wuff & wu +++

Siehst du, Bruno, diese Eilmeldung ist bei Nietzsche
und mir gleichzeitig angekommen. Was wollen wir machen,
Nietzsche, es geht um eine Sicherheitsfrage. Du
entscheidest; ich mach da doch nur Unsinn und
Fehlspekulationen. Trampen wir nach Bilbao?

Das sind keine 50 Kilometer von hier, sagte Nietzsche, da können wir, wuff, lange vor der Zeit dort sein und alles überprüfen. Aber ich glaube nicht, daß uns dieser Rüdesheimer reinlegt, Einstein, wuff wuff

Wue, brummte Bruno, ich habe immer noch nicht ganz verstanden, wie das funktioniert.

das stimmt zu 99 %, Nietzsche, du erinnerst dich, als
du beim Tierarzt warst und gegen alles möglich geimpft
wurdest? Da hat er dir einen winzigen Chip
eingepflanzt, der nicht mehr, aber auch nicht weniger,
als deine persönlichen Daten enthält, damit man dich
überall, das heisst, auch hier in Spanien,
identifizieren und zuordnen kann. Exakt dieser Chip nun
hat die Eigenschaft, sich mit einem Handy und einem Computer kurzzuschliessen, also zu einem Netzwerk zu verbinden. Und so ist es möglich geworden, unsere Gedanken in alle Welt zu übertragen, wenn wir wollen...

Ich hatte es vergessen, mußte Nietzsche zugeben, wuff, aber es stimmt ...

wua, wuuuuuuuuuooooooooouuuuuuuuuuuuuuuuu – heulte Bruno hundserbärmlich.

Was hast du Bruno, um Hundes willen, wuff?

Wua, jaulte er, ich werde es nicht können, wuuuuuoooooooouuuuuuu, ich war nie beim Tierarzt, wuuuuuuooooooowuuuuuu

nicht verzweifeln, Bruno, wir haben Zeit.

Sie versuchten, mit ihm das Telepathieren zu üben. Bruno hörte den Ausführungen Einsteins aufmerksam zu. Dann probierten sie eine Testtelepathie. Bruno sollte herausfinden, ob er die Nachricht, die Einstein an Nietzsche sandte, auffangen konnte. Beim ersten Versuch passierte nichts. So sehr sich Bruno auch konzentrierte, außer seinem eigenen knurrenden Magen hörte er nichts. Beim dritten Versuch aber stellten sich plötzlich seine Ohren auf, ein Grinsen zog ihm die Lefzen nach hinten: er hatte ein Bild gesehen; und zwar Einstein auf einer Eckbank.

Wue, war es das?

Wuff, nickte Nietzsche, das war es. Jedenfalls fast. Du mußt nur üben, üben, üben. Dann klappt es problemlos, du wirst sehen.

Nietzsche, gab Einstein zu bedenken, das funktioniert nur, wenn Bruno in unserer Nähe ist und nicht, wenn wir tausend Kilometer weit weg
von ihm sind - wuwu - mir ist grad was eingefallen, ein
iPac oder ein Palm, ein Handy - irgendwas mit Sende-
und Empfangsfunktion für Bruno, dann kann er es:
telepathisieren auf weite Distanzen und kommunizieren
um die Welt herum. Ein iPac muss doch aufzutreiben sein und Handys liegen genug am Strand herum - wir brauchen eines mit Bluetooth

Wuff, Einstein, so könnte es klappen. Ich werde mich mal am Strand umsehen, wuff
wuff -

Und rannte sofort los. Einstein rief ihm noch nach:

Wuwu, Bruno soll uns doch auch telepathisieren können,
wenn wir grad mit etwas anderem beschäftigt sind und
etwas ganz anderes denken. Oder tun.

aber das hörte Nietzsche nicht mehr.

Wuwu - Nietzsche, Nietzsche, schüttelte Einstein sein gedankenschweres Haupt - ich habe mich geirrt,
verrannt in die Technologien und Wissenschaften.
Nietzsche, komm zurück, wir brauchen den Chip nicht,
wir selber sind Sender und Empfänger. Neuriten,
Dendriten -- wie konnte ich das bloss vergessen, wie
konnte ich, ich das Genie ...

Völlig außer Atem kehrte Nietzsche zurück. Er war nur knapp einem Angriff zweier Pitbulls entronnen, mit denen sich die Briten offenbar bewaffnet hatten. Wie sollten sie jetzt hier ungeschoren wegkommen? Nietzsche konnte sich kaum beruhigen, aber Bruno versicherte ihm, für ihn seien die beiden Schweinehunde kein Problem. Also beschlossen Einstein und Nietzsche für die Nacht in die Berge zu gehen, die sich in unmittelbarer Nähe des Meeres erhoben. Fast wie zuhause, bellte Einstein, ja, bellte Nietzsche zurück, ich sage immer, es ist das Allgäu am Meer. Bruno gab ihnen reichlich Proviant mit, die beiden versprachen im Gegenzug, ihm am Abend noch Testmails zu schicken. Nietzsche sagte zu, im Sommer mit Max zu kommen, dann verabschiedete man sich. Einstein und Nietzsche tappten zielsicher bergan. Man sah: sie gehörten zusammen, das ungleiche Paar ...

Wuff Einstein, bellte Nietzsche erleichtert, als sie ihr Ziel erreicht hatten, jetzt freue ich mich auf eine ruhige Nacht auf weichem Waldboden. Von hier oben hast du einen guten und weiten Blick über das Meer, wuff. Vielleicht sollten wir uns allmählich überlegen, wie diese Kommunikationsdemonstration in Freiburg, wuff, ablaufen soll, was meinst du?

wusch, ich befürchte, dass die Studenten den
Vorlesungssaal verlassen, wenn wir zu bellen anfangen;
Menschen finden bellende Hunde meistens lästig. Denk
nur an diesen Schriftsteller, in Max' Nachbarschaft.
Vielleicht können wir einen Nebenraum benutzen, das
Bellen könnte in der von Menschen gewünschten
Lautstärke in den Vorlesungssaal übertragen werden. Die Studenten sitzen vor ihren Computern und können direkt mitverfolgen, was wir erbellen - was meinst du?

Wobei nicht wichtig ist, wie laut wir, wuff, bellen, sondern worüber wir bellen, nicht wahr? Ich finde wir sollten die wichtigsten Probleme der Hundheit wenigstens in groben Zügen anbellen, oder?

Die Probleme der Hundheit? - Top Idee, Nietzsche, womit fangen wir an?

Nun, wuff, ich denke mit dem Über- und Zerzüchten, wie schon gesagt. Dann das freie Reisen. Das allgemeine Hunderecht...

Das Recht auf einen PC und Internetanschluss. Wir
müssen unsere Forderungen klar begründen können;
Menschen fordern von Menschen. Die meisten Menschen bekommen schon Schwierigkeiten mit dem Verstehen, wenn sie Menschen verstehen sollen. Wir aber sind Hunde und fordern von Menschen Verständnis für uns. Vielleicht müssen wir zuerst
sagen, dass wir die Menschen verstehen - was denkst du, Nietzsche

Ja, das wird das Schwerste sein: daß sie uns das glauben, wir werden sehen. Aber jetzt werde ich erstmal einen Schluck aus dieser Quelle tun. Tschlb. Wuaaff. Siehst du dort oben die Bank unter den Bäumen? Dort können wir die Nacht verbringen. Tschlb. Wuaaaff. Fabelhaftes Wasser. Probier doch auch.

Schlaberschlaber - ich schlaf dann unter der Bank, wenn dir das recht ist, Nietzsche, da fühl ich mich
sicherer. Vielleicht bringen uns unsere Träume bei, wie
wir den Menschen das alles am Gescheitesten darlegen - vorbröseln, wie Eliza sagt.

Prima, wff, ich leg mich auf die Bank, wie daheim, auf der Terrasse, auf der ich manchmal ganze Sommernächte verbringe, schau mal, was für ein Panorama, wuff!