Nietzsche & Einstein

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Nietzsche & Einstein in Spanien

Einsteins Traum und dessen Folgen

Nietzsche & Einstein auf der Flucht durch Frankreich

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Flug nach Zürich

Die Ankunft

Auflösung

Der offene Brief

 

 

 

Einstein & Nietzsche

Der Traum und seine Folgen

erdacht und geschrieben von Regula Erni & Hans Zengeler

 

Eine Weile noch lagen sie da und schauten aufs Meer hinaus. Dann fielen ihnen die Augen zu. Während Einstein langgestreckt unter der Bank alsbald zu schnarchen begann, ruhte Nietzsche auf der Bank, hatte den Kopf zwischen die Vorderpfoten gelegt, kniff noch ein paarmal die Augen zusammen, ehe auch er ins Reich der Hundeträume entglitt ...


Einstein fand sich in der Aula der Universität Freiburg wieder. Er starrte auf die metallenen Glieder der Hundeleine, verfolgte diese so weit es ging und erhaschte gerade noch einen Blick auf ein
Kettenhalsband, das um seinen Hals geschlungen schien. Träge und ohne jede Bewegung liess er den Blick seiner Augen in die andere Richtung der Leine schweifen und blieb an einem in den Boden eingelassenen, metallenen Pfosten hängen.

Nietzsche? bellte er leise.

Dem zuckten die Vorderläufe, als jage er Kaninchen, was er am liebsten tat.
Plötzlich jedoch stellte er die Ohren auf, öffnete die Augen, wobei er nicht wußte, ob er all das nur träumte, oder ob er wirklich wach war, sicher schien ihm jedoch, etwas gehört zu haben: Einstein, seinen Freund. Er schüttelte sich. War das jetzt wirklich so? Gab es daß, daß man im Traum aufwachte?

Einstein? Einstein, hast du gerufen?

Die Vorderläufe zuckten wieder, und Nietzsche rannte, rannte ...

Einstein, die grossen, dunkelbraunen Augen zu schmalen Schlitzen verengt, lag reglos auf dem Boden und atmete flach. Sein wacher Blick fiel auf den herein stürmenden Nietzsche. Er jaulte kaum hörbar ohne sich zu bewegen,

dem Hundhimmelseidank, du bist frei - die Schlaufe,
Nietzsche, die Schlaufe...

... und plötzlich sprang ihm Max ins Gesichtsfeld und fuchtelte wild mit den Armen, rief etwas, Befehl des Herrchens an seinen Hund, doch Nietzsche spürte, er konnte, ja er durfte jetzt nicht gehorchen, etwas rief, etwas zog ihn, ein vertrauter Duft stieg ihm in die Nase: Einstein. Jetzt wußte er es, jetzt sah er ihn auftauchen aus den Nebeln des Traums, nur mit den Augen sprechend, und Nietzsche begriff schlagartig, daß sie hereingelegt worden waren, hörte Einsteins Flüstern und biß zu, biß so fest zu, daß es schmerzte, er jaulte kurz auf und bellte dann so fürchterlich laut, wie er noch nie in seinem Leben gebellt hatte, daß er daran erwachte, mit gesträubten Nackenhaaren, hoch aufmerksam mit einem Schlag, knurrend, zähnefletschend, er mußte, komme was wolle (und wenn es ein Pitbull war) Einstein verteidigen ...

Unermüdlich biss und zerrte Nietzsche an der ledernen Schlaufe der Leine bis diese nach gab.

Einstein
blinzelte, danke, Nietzsche, und wollte aufstehen.

Aber Nietzsche bedeutete ihm mit seinen Augen, die den wütenden Glanz langsam verloren, noch einen Augenblick zu warten. Aufmerksam musterte er das Zughalsband.
Einstein seufzte, deutete mit seinen Augen auf die
Leine und wuffelte leise, die werde ich jetzt wohl
hinter mir her schleifen müssen. Nietzsche beugte sich
über ihn...

... und zwickte ihn ins Ohr, leckte daran, jaulte, wach auf, Einstein, los, so wach doch auf, du träumst ...

Einstein streckte sich, stiess ein tiefes Knurren aus,
riss seine grossen Augen auf -

danke, Nietzsche, danke,
du hast mich gerettet. Sie hatten mich betäubt und an einen Pfosten gekettet. Das war nicht
Kommunikationswissenschaft dort drin, Nietzsche, das
waren die Biologen, die wollten mich zuerst beobachten, dann abschlachten - es war alles so echt, das Getrampel in den Gängen, der in den Boden eingelassene Pfosten, die Kette, das Zughalsband -

Wuwuwuff, Einstein, wuaaaff, seltsam, sehr seltsam, so ein Parallelträumen, als hättest du mich einfach in deinen Traum befohlen, wuaaff, eigenartig, und ich weiß nicht, ob wir das als böses Vorzeichen nehmen sollen. Könnte doch sein, die locken uns nach Freiburg, um etwas völlig anderes mit uns anzustellen. Wuff, das kennt man doch. Wenn irgendwo etwas Außergewöhnliches geschieht, wer steht dann zuerst auf der Matte, wuff, Einstein, wer?

Einmal der Staat, der sich an allen Ecken und Enden
nach Einkünften sehnt und einmal die Wissenschaftler,
die nach Beweisen suchen, Nietzsche. Allem gesicherten Wissen geht der Glaube voran. Mich friert, Nietzsche, wenn ich daran denke, dass die ihre Messer wetzen...

Und das Militär nicht zu vergessen, Einstein, das Militär! Wuff, was machen wir jetzt?

wuwuojou, ja, es partizipiert an allem, was
wissenschaftlich ist, und beherrscht immer noch einen
grossen Teil der Wissenschaften. Es herrscht die
Thanatokratie - wu, Nietzsche, wir sind dumm dran, das ist sehr gefährlich, macht mir Sorgen wououuuuuu

Wuff, Einstein, wie auch immer. Wir könnten versuchsweise Bruno eine mail schicken, damit er uns sicher hier rausbringt. Die einzige Möglichkeit, scheint mir, wuff, sind die Pyrenäen. Und Bruno kennt sich dort aus. Wenn wir nämlich erstmal in diesem Flugzeug sitzen, wuff -

wou, hab verstanden, dann sind wir verloren. Bruno kann uns sicher helfen, also wuffeln wir ihm eine Mail.

Lieber Bruno +++ wir sind auf DER Bank +++ du weißt schon. +++ Brauchen dringend deine Hilfe, wuff! +++ Einstein & Nietzsche

Sekunden später:

wa ... Brun ... hab was ... gefangen ...Nachricht? Hilfe?
Komme ... sof ... wa ... Bru.0


Nietzsche, Nietzsche, Bruno hat kapiert wie mailen
geht - er kommt, er kommt - wua

Wuff, dann warten wir, bis er kommt, das kann nicht lang dauern ...

fressen, Nietzsche, schlafen macht hungrig - und
durstig - die Quelle -

Wuff, daran wollte ich dich grad erinnern, wo hast du den Beutel mit dem Fressen, wiff, wiff ...

Muschelsuppe - schluapschlapschlabber

Rinderfilet - tschlp -