Nietzsche & Einstein

Nietzsche in Haft

Kirchenasyl für Nietzsche

DogCommunication und die Menschen

Nietzsche & Einstein auf der Reise

Nietzsche & Einstein in Spanien

Einsteins Traum und dessen Folgen

Nietzsche & Einstein auf der Flucht durch Frankreich

HUNDE DEMO in Paris

Flanieren

Flug nach Zürich

Die Ankunft

Auflösung

Der offene Brief

 

 

 

Einstein & Nietzsche

mit Blaulicht zu Rösti und Zürchergeschnetzeltem

erdacht und geschrieben von Regula Erni & Hans Zengeler

 

wuwwu, ich bin noch nie mit Blaulicht gefahren -

Einstein knuffte Nietzsche in die Seite - das ist ja
megageil

Einstein, Nietzsche - ihr haltet bis wir im Zunfthaus zur Waage angekommen sind, die Klappe, Eliza nahm die Leine in die Hand; sie hatte durch die gelungene Landung enorm an Selbstsicherheit zugelegt.

Einstein telepathisierte Nietzsche: Wir haben die
Möglichkeit, uns lautlos zu unterhalten, wir sollten
sie nutzen.

Wenn du meinst, gab Nietzsche zurück, aber ich mag nicht, wenn Max meine Leine so straff hält.


Einsteigen, befahl Eliza und nahm Max, als hätte sie Nietzsches kurzes Gespräch mit Einstein gehört, Nietzsches Leine aus der Hand.

Hui, telepathisierte Nietzsche an Einstein, du brauchst nur Blaulicht und Sirene und schon hast du freie Fahrt - das Zunfthaus, ist es am See und der Üetliberg, wo genau ist er - kann man ihn schon sehen?

Nein, den Berg könne man noch nicht sehen; er sei auf der andern Seite der Stadt, antwortete Einstein, das Zunfthaus liege an der Limmat und der See sei nur einen Katzensprung davon entfernt...
Max schwieg, er fröstelte leicht, ihm kam das alles unheimlich vor: Er hatte einen Hund, dessen Bellen bei ihm in menschlichen Worten ankam, und der einen andern Hund kennengelernt hat, der einen Lear-Jet fliegen konnte - verzweifelt rang Max die Hände, sagen konnte er nichts, die beiden Polizisten hätten ihn womöglich für total übergeschnappt gehalten und Eliza - ja, was war eigentlich mit Eliza? Sie tat, als wäre das alles ganz selbstverständlich, als führte sie mit Einstein schon seit vielen Jahren Gespräche.

Max, unterbrach Eliza dessen Gedankengänge, wir fahren jetzt über die Limmat, hier rechts steht die Wasserkirche und dort drüben ist das berühmte Hotel Storchen...

Der See, telepathisierte Nietzsche an Einstein, ich habe deinen See gesehen...

und mir knurrt der Magen, gab Einstein einsilbig
zurück.

Die Polizisten winkten ihren Gästen kurz zu, sie waren zu einem andern Einsatzort beordert worden und das war ihr Glück, denn sonst hätten sie mitbekommen, dass Einstein die Führung übernahm.

Sie betraten das Restaurant, Max mit eingezogenem Genick, denn er fürchtete, es könne Schwierigkeiten geben mit zwei derart überhündlich selbständigen Hunden. Hätte noch gefehlt, dass Einstein auf den Restaurantchef zugelaufen wäre, um den nach vier Plätzen zu bellen. Was Einstein zwar tat, jedoch ohne Erfolg, denn der Restaurantchef verstand natürlich nichts, sondern legte nur den Zeigefinger auf die Lippen.

W-w-w, drohte Einstein.

Still! befahl Eliza.

Ich habe Hunger, knurrte Nietzsche.

Sie begaben sich an den reservierten Tisch, wobei die Hunde, sehr zum Erstaunen der übrigen Gäste, sofort auf die Stühle sprangen, dort Platz nahmen, als sei dies die selbstverständlichste Sache der Welt. Nietzsche schnappte nach einer Serviette und bat Max, sie ihm umzubinden.
Der fragte, ob er vielleicht auch Hundemesser und Hundegabel bestellen solle.

Wenn es sowas gibt, wuffte Nietzsche, bitte.

Dann kam der Kellner.

Guten Abend, sagte er, darf ich die beiden Hunde bitten, unter dem Tisch Platz zu nehmen?

Bitte? blaffte Einstein

Das gerötete Gesicht des Kellners erblasste, die Serviette fiel von seinem Arm, er rang nach Atem, fasste sich, wandte sich an Max: Sie belieben zu scherzen?

Was? Max fröstelte noch immer; er hatte gerade daran denken müssen, dass er sein Schwarzgeld bis auf ein paar Tausend Euro verplempert hatte, bitte – Sie meinen?

Die Rösti! mahnte Nietzsche

und Einstein doppelte nach,
Züri-Gschnätzlets, zwei Portionen pro Hund, und, weil
der Kellner wie fixiert mitten in seiner Bewegung
verharrte, setzte er ein höfliches, Bitte, dazu.

N - , nein, der Kellner stammelte und der Oberkellner, der herbei eilte, herrschte ihn an: So reissen sie sich doch zusammen, Jo und lieferte Einstein das Stichwort.

Jo, bellte er leise, bringen Sie uns auf der Stelle die Rösti und das Züri-Gschnätzlets - kommentarlos. Wir leiden Hunger und wenn wir leiden...

Der Oberkellner hat, telepathisierte Einstein in diesem Augenblick an Nietzsche, Format; er tut so, als sähe er uns nicht.

Jo beugte sich leicht über Einstein und sagte: Einen Augenblick und enteilte.

Eliza wandte sich dem Oberkellner zu, ich hätte gern ein Cordon-bleu...

Noch während sie bestellte, kam Jo in Windeseile an den Tisch getrabt...

Ich hätte nicht gedacht, daß das so problemlos geht, wandte sich Max an Elisa. Die Schweizer scheinen sehr tolerant zu sein. Hunde am Tisch!
Nietzsche, Nietzsche! Demnächst kommt es noch so weit, daß sie uns unter den Tisch verbannen, nicht wahr. Ich habe allerdings schon mal von einem schweizer Hund gehört, der sein Frauchen dazu zwang, ausschließlich Gourmet-Restaunrants aufzusuchen, unter einem Michelin-Stern fraß - pardon - aß der nichts. Ach, Herr Ober, eh ich's vergeß: Ich hätte gerne die Platte für Vegetarier, dazu ein Glas Sauermilch, bitte.

Einstein, jetzt iss anständig, du spritzt um dich wie ein - jetzt, hör schon auf, Eliza beugte sich vor

und im selben Moment wurde Max von Rösti mit Zürigschnätzlets bombardiert,

Verflixt, Nietzsche, so geht das aber, Max wischte sich das Gesicht ab, nicht, so nicht.

Es ist viel zu anstrengend, am Tisch zu essen, Einstein.

Der schüttelte sich und schleuderte die Rahmsosse, die sich in seinen Lefzen verfangen hatte, in winzigen Tröpfchen durch die Zunftstube, die Leute vom Nachbartisch wichen erschrocken zurück, drei Kellner und der Oberkellner wedelten mit ihren weissen Servietten, als liesse sich dadurch Abhilfe schaffen. Nietzsche sprang vom Stuhl und

Eliza lachte, haha, unsere Hunde sind viel gescheiter als wir, Max; sie verziehen sich unter den Tisch.

Denkste, blaffte Einstein und sah Nietzsche an.

Der nickte und wuffte leise: Den Spaß sollten wir uns schon noch erlauben.

Dann baute er sich vor den mittlerweile bloß noch gaffenden Gästen auf und bellte, von Einstein bellkräftig unterstützt, die Leute an, sie sollten sich gefälligst unter den Tisch verziehen, wie sich das für Menschen gehöre.

Genau, wuwute Einstein, unter den Tisch mit euch, wo kämen wir denn hin, wenn die Menschheit am und die Hundheit unter dem Tisch äße.

Natürlich rechneten sie nicht damit, daß alle den Befehl verstehen, ihm gar noch Folge leisten würden, doch was nun geschah, verschlug selbst ihnen das Bellen: die Gäste verzogen sich tatsächlich mit Teller, Messer und Gabel unter die Tische.

Wuff, machte Nietzsche erstaunt, was für ein Wahnsinn, sie gehorchen, Einstein, sie gehorchen.

Wuwu, bestätigte Einstein, wandte sich an Max und Eliza, die wie erstarrt auf ihren Stühlen klebten: Seht ihr, das ist der Anfang eurer Umerziehung,
wuwu.

Dann lachten Einstein und Nietzsche, sie lachten, lachten und schüttelten sich vor Lachen ...