Die Flutkatastrophe - die Hilfe - das Gerangel der Politiker

Die Amerikaner haben Hilfe geschickt, konkrete Hilfe: Armeeangehörige, die Wasser verteilten und Esswaren, die Wasseraufbereitungsanlagen aufbauten, die Verletzte bargen und im Notfall ausflogen. Die Schweizer haben ihre Aussenministerin Micheline Clamy-Rey geschickt. Sie war als eine der ersten PolitikerInnen an den Orten des Schreckens und Grauens. Sie hat den Horror gesehen, gehört und gerochen - und dafür einen Helikopter, der für das Bergen von Verletzten hätte eingesetzt werden können, benutzt...  -  Spontan hat sie, als würde das genügen, dem Thailändischen Aussenminister versprochen, ein Dorf wieder aufzubauen und ist in die Schweiz zurückgekehrt, wo sie sich vor den Fernsehkameras mit "das war meine Pflicht", "gehört zu meinen Aufgaben" und anderen Ausflüchten für diese unüberlegte Reise zu rechtfertigen versuchte. Gewiss, sie war erschüttert. Trotzdem hat sie mich an ein aufdringliches Klatschweib erinnert.

Die Europäer schienen abzuwarten; Fischer war noch nicht in den Startlöchern und Schröders Kabinett hatte noch nicht entschieden, wieviele Euros für den Wiederaufbau in Südostasien fliessen sollten. Verständlich, Deutschland ist hoch verschuldet, HARTZ IV harzt im wahrsten Sinne des Wortes vor sich hin und die zunehmende Armut im Land wird immer deutlicher sichtbar. Aber dann fingen die Ereignisse sich zu überschlagen an: die Japaner boten grosszügige Hilfe an, Powell bereiste das Katastrophengebiet, während sich Bush junior mit Bush senior und Clinton darauf einigte, im ganzen Land Geld zu sammeln um den Wiederaufbau zu sichern. Fischer und Schröder sahen säuerlich zu. Allerdings nicht lange. Sie beriefen hastig eine Kabinettsitzung ein und übertrumpften die Amerikaner, indem sie einen Betrag von 500 Millionen Euro für den Wiederaufbau (ver)sprachen und sofort die Führungsrolle beanspruchten.

Jedes von der Flut verschonte Land hat eine bestimmte Summe zum Wiederaufbau der Katastrophengebiete zugesagt. Allerdings hat kein anderes Land den Mund so voll genommen wie Deutschland. Oder eine so horrende Summe in die Führungsrolle eines abgetakelt wirkenden Bundeskanzler gesteckt. Oder in die erhoffte Karriere eines zunehmend träge wirkenden Aussenministers bei der UN.

Wie dem auch sein mag, im Augenblick jedenfalls macht es den Anschein, als stünden die PolitikerInnen, ob AussenministerInnen oder nicht, und ihre Gefolgschaften den tatsächlichen Helfern im Katastrophengebiet im Weg und behinderten, wie anfangs Januar Calmy-Rey die Bergungsarbeiten, die Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten.

9. Januar 2005 / re