Stephen L. Carter:
Schachmatt
List-Verlag
ISBN 3-471-77256-1
Verschwörungstheorien, Intrigen, Fallen, Familienfehden, Liebe,
Hass, grenzenloser Ehrgeiz, politische Macht und Ohnmacht des einzelnen
- alles, was zu einem guten Plot gehört!
Talcotts Vater, der Richter Oliver Garland stirbt. Eines natürlichen
Todes, glaubt Talcott und tut die Andeutungen seiner Schwester Mariah
als blosse Unkenrufe ab. Traurig über den Tod seines Vaters,
freut er sich, dass ihm dieser das Haus auf Martha's Vineyard vermacht
hat.
Doch dann erreichen die nicht mehr verstummen wollenden Gerüchte,
das Geraune und Geflüster über den gewaltsamen Tod seines
Vaters, endlich seine Ohren und begehren Einlass in sein Denken.
Sein Vater, das muss er zugeben, war keine unumstrittene Persönlichkeit;
Jahre zuvor hatte er seine Kandidatur für das Oberste Richteramt
zurückziehen müssen, weil es anlässlich einer Anhörung
im Senat zu einem Skandal gekommen war. Richtig hellhörig aber
wird Talcott, als ihn Freunde seines Vaters nach den Vorkehrungen,
die dieser für den Fall seines Todes kurz vor seinem Tod getroffen
haben soll, fragen. Talcott kann die Fragen beim besten Willen nicht
beantworten; er weiss von nichts, hat nur das Gefühl, dass
ihm alle anderen Informationen vorenthielten. Als ihm auffällt,
dass zwei Schachfiguren des von Richter Garland sorgsam gehüteten
Schachbrett verschwunden sind, und plötzlich eine weitere Leiche
auftaucht, wird ihm das Treiben zu bunt; er beschliesst, das Geheimnis
um das Leben und den Tod seines Vaters zu lüften. Hartnäckig
fängt er zu fragen und nach Antworten zu suchen an. Und jetzt
setzt er alles aufs Spiel: Seine Karriere, seinen Ruf, seine Ehe
und seine Ehre.
Er hat viel zu verlieren - und zu gewinnen. Die Frage ist, wie
das Spiel ausgeht und zu wessen Gunsten.
Wieland Freund schreibt in der "Die WELT" dazu:
"Am Ende trifft man sich im Auge des Sturms. Ein Hurrikan fegt
über Martha's Vineyard, der Kegel einer Taschenlampe irrt über
einen Dachboden in Ocean Park. Dann fliegt eine Tür auf. Was
nun, nach 818 Seiten, noch fehlt, ist, der Theorie des Thrillers
zufolge, die Überwältigung des "criminal mastermind",
der Triumph des James Bond über Dr. No, doch dann steht ein
Dritter Mann in der Tür und 007 benimmt sich wie Sherlock Holmes.
Im Sturm wirbelt so allerlei durcheinander.
Ohnehin wurde viel Wind gemacht um das literarische Debüt
des prominenten schwarzen US-Juristen Stephen L. Carter, angesehener
Sachbuchautor bislang: Vier Millionen Dollar schließlich bot
der US-Verlag Knopf für diesen und den nächsten Roman
des 47-jährigen, und wie immer eigentlich enttäuscht so
hoch bezahlte Literatur, weil ein erzählerisches Wunder eben
so wenig bezifferbar ist wie die Armee der Feinde im Kopf eines
naturgemäß paranoiden Thriller-Helden..."
"Symbolisch für den Verfall der Sitten ist folglich das,
was sehr langsam über den Richter zu Tage tritt. Der Patriarch,
der als hoch bezahlter Festredner die Krise der Moral öffentlich
beklagte, steht zur Vaterzerstörung an, und die Erkenntnisse
seines Sohnes sind Schrecken und Befreiung zugleich: Ein Album findet
sich, in dem der Richter, getrieben von Hass und Rachedurst, Berichte
über Unfalltode mit Fahrerflucht gesammelt hat, und ein zwielichtiger
"Agent" mit dem so unverzichtbaren wie unverwechselbaren
Muttermal taucht auf wie aus dem Sündenpfuhl des angeblich
respektablen Richterlebens. Der Rest... fügt sich. Wir lernen:
Auch "literarische Thriller" sind Trivialliteratur, wobei,
der Wahrheit die Ehre, Carter in jedem Fall besser ist als Grisham.
Und das ist immerhin ein Anfang."
Stephen L. Carter (1955) ist seit 1985 Juraprofessor
an der Yale University und als Mitglied des American Law Institute
und der American Academy of Arts and Science an der Formung der
amerikanischen Rechtspraxis beteiligt. Er lebt in der Nähe
von New Haven, Connecticut.
September 2002 Regula
Erni
28.02.2003 / Regula
Erni
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